AfD strebt historische Alleinregierung in Sachsen-Anhalt an
Bei der kommenden Landtagswahl in Sachsen-Anhalt verfolgt die AfD ein klares Ziel: Ulrich Siegmund soll als erster AfD-Ministerpräsident Deutschlands eine Alleinregierung bilden. Der 35-jährige Spitzenkandidat präsentierte sich beim Landesparteitag in Magdeburg mit großem Selbstbewusstsein und wurde von den Delegierten stehend gefeiert.
„Wir müssen es alleine schaffen“ – Siegmunds ehrgeiziges Vorhaben
Ulrich Siegmund setzt vollständig auf eine Alleinregierung seiner Partei. „Wir müssen es alleine schaffen“, betonte er in seiner Rede und verwies auf das notwendige Wahlergebnis von „45 Prozent plus X“. Für den Wahlkampf plant die AfD Ausgaben von 1,4 Millionen Euro und verspricht eine bisher in Deutschland nicht gesehene Kampagne. Der Landesverband wird vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestuft.
Umfragewerte und realistische Chancen
Aktuelle Umfragen zeigen die AfD in Sachsen-Anhalt mit knapp 40 Prozent deutlich vor der CDU, die auf etwa 25 Prozent kommt. Die Landtagswahl ist für den 6. September 2026 terminiert. Interessant ist die mathematische Besonderheit: Sollten Grüne, FDP und BSW an der Fünfprozenthürde scheitern, könnte eine Alleinregierung theoretisch mit weniger als 50 Prozent der Stimmen möglich werden.
Derzeit regiert in Sachsen-Anhalt eine Koalition aus CDU, SPD und FDP. Ministerpräsident Sven Schulze von der CDU hat eine Zusammenarbeit mit der AfD mehrfach kategorisch ausgeschlossen. Sollte keine AfD-Alleinregierung zustande kommen, würde die Regierungsbildung äußerst kompliziert, da eine Mehrheit ohne die AfD laut Umfragen nur in Dreier- oder Viererbündnissen möglich wäre.
Radikales Programm sorgt für Kontroversen
Die AfD hat ein umfassendes Reformprogramm beschlossen, das bei vielen Bürgern und politischen Beobachtern Besorgnis auslöst. Geplant sind unter anderem:
- Eine „Abschiebe- und Remigrationsoffensive“ in der Migrationspolitik
- Die Kündigung der Rundfunkstaatsverträge
- Die Abschaffung der Landeszentrale für politische Bildung
- Eine Neuausrichtung der Fördermittelvergabe an Vereine
AfD-Landesvize Hans-Thomas Tillschneider erklärte bei der Programmvorstellung, Kinder benötigten kein Antirassismustraining, sondern Selbstverteidigungskurse. Die Partei fordert zudem eine „Straße des Deutschen Reiches“, bezeichnete das Bauhaus als „Irrweg der Moderne“ und möchte die Werbekampagne „#moderndenken“ durch „#deutschdenken“ ersetzen.
Bürgerdialoge und Proteste
Bei Bürgerdialogen, mit denen die AfD-Fraktion derzeit durch Sachsen-Anhalt tourt, erhält Ulrich Siegmund viel Zuspruch. Regelmäßig kommen mehrere Hundert Menschen zu den Veranstaltungen, und für Selfies mit dem Spitzenkandidaten stehen Besucher teilweise minutenlang an. Siegmund betont immer wieder, er ermutige jeden, sich „ein eigenes Bild“ zu machen und fordert eine Politik des „gesunden Menschenverstands“.
Gleichzeitig wird der AfD-Parteitag in Magdeburg von Protesten begleitet. An fünf angemeldeten Versammlungen nahmen nach Polizeiangaben mehrere Hundert Personen teil, die sich gegen die politischen Ambitionen der Partei stemmen.
Die Person hinter der Kampagne
Ulrich Siegmund ist seit 2016 Landtagsabgeordneter und führt seit 2022 gemeinsam mit Oliver Kirchner die AfD-Landtagsfraktion als Co-Vorsitzender. Der gelernte Groß- und Außenhandelskaufmann mit Bachelor-Abschlüssen in Wirtschaftspsychologie und Betriebswirtschaftslehre erzielt in sozialen Medien mit Videos hohe Reichweiten.
AfD-Landeschef Martin Reichardt sieht die Regierungsverantwortung für seine Partei in greifbarer Nähe. In seiner Rede attackierte er zivilgesellschaftliche Organisationen, Medien und andere Parteien und behauptete, die AfD werde mit „Lügen und Hetze“ überzogen. Mit Blick auf die Septemberwahl erklärte Reichardt: „Wir sind der Rammbock des Volkes, mit dem das Volk demokratisch in die Festungen des etablierten Machtkartells eindringt.“
Die kommenden Monate bis zur Landtagswahl versprechen intensive politische Auseinandersetzungen in Sachsen-Anhalt, während die AfD ihren historischen Machtanspruch untermauert.



