Im UN-Sicherheitsrat geht es oft um Macht und Einfluss. Doch eine Niederlage bei einer Abstimmung ist keine Schande. Im Gegenteil: Wer nie verliert, der wagt auch nichts. Das gilt besonders für Deutschland, das sich in den letzten Jahren allzu oft zurückgehalten hat, um eine mögliche Blamage zu vermeiden.
Die Angst vor dem Veto
Die ständigen Mitglieder des Sicherheitsrates – USA, Russland, China, Frankreich und Großbritannien – besitzen ein Vetorecht. Das führt oft dazu, dass Resolutionen blockiert werden. Doch das ist kein Grund, auf Abstimmungen zu verzichten. Im Gegenteil: Jede Abstimmung zwingt die Mitglieder, ihre Position klar zu machen. Das schafft Transparenz und Druck.
Deutschlands Zurückhaltung
Deutschland, das seit 2019 nichtständiges Mitglied im Sicherheitsrat ist, hat sich oft bedeckt gehalten. Statt klarer Positionen gibt es vage Formulierungen. Das mag taktisch klug erscheinen, ist aber auf Dauer schädlich. Denn wer keine klare Kante zeigt, wird nicht ernst genommen.
Ein Beispiel: Die Resolution zu Gaza im Oktober 2023. Deutschland enthielt sich, obwohl eine klare Position nötig gewesen wäre. Die Folge: Deutschland verlor an Glaubwürdigkeit. Dabei wäre eine Niederlage bei einer Abstimmung besser gewesen als eine Enthaltung. Denn eine Enthaltung wird als Feigheit ausgelegt, eine Niederlage als mutiger Versuch.
Die Kultur des Scheiterns
In der UNO ist es normal, Abstimmungen zu verlieren. Das gehört zum diplomatischen Geschäft. Staaten wie die USA oder Frankreich scheuen sich nicht, Resolutionen einzubringen, die später scheitern. Sie wissen: Auch ein Scheitern kann politische Wirkung entfalten. Es zeigt, wer auf welcher Seite steht.
Deutschland sollte sich davon eine Scheibe abschneiden. Statt immer nur zu lavieren, sollte Berlin mutiger werden. Das bedeutet nicht, dass man jede Resolution einbringen sollte. Aber wenn es um wichtige Themen geht, darf man keine Angst vor einer Niederlage haben.
Ein neuer Ansatz
Die Bundesregierung sollte ihre Strategie im Sicherheitsrat überdenken. Statt auf Nummer sicher zu gehen, sollte sie klare Positionen beziehen. Das stärkt das Profil Deutschlands in der Welt und zeigt, dass Berlin bereit ist, Verantwortung zu übernehmen. Eine Niederlage im Sicherheitsrat ist keine Schande – sie ist ein Zeichen von Mut und Engagement.
Abschließend lässt sich sagen: Wer im UN-Sicherheitsrat nie verliert, hat auch nie wirklich gekämpft. Deutschland sollte den Mut haben, auch mal zu scheitern. Denn nur so kann es langfristig Einfluss gewinnen.



