Brandenburgs DDR-Aufarbeitungsbeauftragte Maria Nooke hat erneut scharfe Kritik am Prignitzer AfD-Abgeordneten Jean-René Adam geübt. Hintergrund ist der Bericht einer unabhängigen Kommission unter ihrem Vorsitz, die mögliche Stasi-Verstrickungen von Brandenburger Landtagsabgeordneten untersucht hatte. Nooke hatte den Bericht vor einigen Wochen an Landtagspräsidentin Ulrike Liedtke (SPD) übergeben. Er soll am Mittwoch im Hauptausschuss des Landtags thematisiert werden.
Adams Tätigkeit als inoffizieller Mitarbeiter
Den Erkenntnissen der Kommission zufolge war Adam von 1983 bis 1984 als inoffizieller Mitarbeiter des Arbeitsgebiets I der Kriminalpolizei tätig. Diese Einheit arbeitete eng mit der Staatssicherheit zusammen. Adam selbst hatte gegenüber unserer Redaktion von „jugendlicher Naivität“ gesprochen. Bei seiner Tätigkeit sei es nur um „kriminalistische Sachen“ gegangen, da er Kriminalist werden wollte. Als die Aufträge politischer geworden seien, habe er die Mitarbeit nach einem Jahr beendet.
Nooke widerspricht Adams Darstellung
„Die Akten sagen, dass Jean-René Adam gezielt in politisch nonkonforme Jugendgruppen eingeschleust wurde“, erklärte Nooke bei ihrer jährlichen Pressekonferenz am Montag. Er habe darüber selbst Berichte verfasst, sieben davon handschriftlich. Es sei auch nicht nur um Kriminalität gegangen. „Wir haben das als äußerst schwierigen Fall bewertet“, so Nooke. Seine öffentliche Stellungnahme entspreche nicht dem, was die Akten hergeben.
Es sei an den Akten auch erkennbar, dass die von Adam gelieferten Informationen von der Stasi ausgewertet wurden. „Wir können nicht sagen, dass er den Betroffenen nicht geschadet hat, wie er es persönlich in der Befragung und auch jetzt in der Öffentlichkeit dargelegt hat“, sagte Nooke. Sie sei sehr verwundert, dass sich die AfD in der Öffentlichkeit hinter Adam gestellt habe. Unter anderem Fraktionschef Hans-Christoph Berndt hatte den Abgeordneten in einer Pressekonferenz seiner Fraktion in Schutz genommen.
Warnung vor DDR-Nostalgie
Am Montag warnte Nooke zudem vor einem Erstarken unkritischer DDR-Nostalgie. Damit gerate der Diktaturcharakter der DDR aus dem Blick, sagte die seit 2017 im Amt befindliche Soziologin. „Für alle, die sich nicht angepasst haben und politisches Unrecht erlitten haben, bleibt das schwer zu ertragen.“ Man müsse sich differenziert damit auseinandersetzen, wie unterschiedlich das Leben in der DDR erlebt und gelebt wurde.
Ihre Behörde erlebe bis heute eine ungebrochen hohe Nachfrage nach Bürgerberatung. In den Jahren 2024 und 2025 habe man über 7000 Beratungskontakte mit rund 1300 Ratsuchenden gezählt. Eine wesentliche Rolle spiele die 2025 verabschiedete Novellierung des SED-Unrechtsbereinigungsgesetzes. So können ehemalige politische Häftlinge und frühere Insassen der DDR-Spezialkinderheime auch ohne Bedürftigkeit eine Opferrente von 400 Euro im Monat erhalten. Ehemalige Zwangsausgesiedelte aus dem innerdeutschen Grenzgebiet sowie aus den Grenzregionen zu Berlin (West) erhalten künftig eine Einmalzahlung von 7500 Euro als Anerkennung des erlittenen Unrechts. Das betreffe auch Kinder und Jugendliche, die damals mit ihren Eltern umgesiedelt wurden.
Nookes Zukunft als Beauftragte
Die mittlerweile 68-jährige Nooke wurde zuletzt 2023 wiedergewählt, ihre Amtszeit läuft noch bis 2029. Zur Frage, ob sie diese Amtszeit voll ausschöpfen wird, wollte sie sich am Montag nicht konkret äußern. „Das sehen wir dann“, sagte die Beauftragte. Sorge, dass ihre Stelle den geplanten Einsparungen der SPD-CDU-Koalition bei den Landesbeauftragten zum Opfer fallen könnte, hat Nooke indes nicht. „Ich habe aus dem Landtag eine klare Rückmeldung bekommen, dass wir nicht zur Disposition stehen und dass unsere Arbeit geschätzt und unterstützt wird.“



