Bürgermeisterforum in Ueckermünde mit unvollständiger Kandidatenliste
Im Ueckermünder Kino fand ein denkwürdiger Nachmittag statt, als sich die Bürgermeisterkandidaten den Fragen der Bürger stellen sollten. Ursprünglich waren alle sieben Bewerber eingeladen, doch letztlich erschienen nur sechs. Tino Spiegelberg (parteilos) hatte seine Teilnahme abgesagt, während der AfD-Kandidat Hartmut Baranowski den Saal bereits wenige Minuten nach Veranstaltungsbeginn verließ.
AfD-Kandidat verlässt das Forum aus Protest
Hartmut Baranowski begründete seinen Ausstieg mit der Livestream-Übertragung der Veranstaltung. Zwar räumte er ein, dass dies in der Einladung angekündigt war, doch er hatte auf ein datenschutzrechtliches Dokument gewartet, das er unterschreiben sollte. „Das ist nicht gut gelaufen“, erklärte er und äußerte Bedenken, dass zukünftige Aussagen ihm Probleme bereiten könnten. Zudem kritisierte er den Ticketverkauf, da einige Kandidaten angeblich keine Karten mehr für Unterstützer erhalten hätten. Baranowski gegenüber dem Nordkurier: „Für mich ist die Veranstaltung zu Ende.“
Versammlungsleiter André Klink vom Verein für Handwerk und Gewerbe entschied hingegen, den Livestream beizubehalten, und erhielt dafür Applaus aus dem Saal. Neben den Anwesenden verfolgten etwa 300 Personen die Diskussion von zu Hause aus, was die Reichweite der Veranstaltung deutlich erhöhte.
Fünf Kandidaten diskutieren zentrale Themen
Anwesend waren die vier parteilosen Einzelbewerber Martin Kühnl-Mossner, Meik von Deetzen, Karsten Berndt und René Hafenstein sowie Jeremy Brehme vom Bündnis Deutschland. Die meiste Zeit wurde für Publikumsfragen genutzt, die ein breites Spektrum an Themen abdeckten:
- Haushaltslage der Stadt: Karsten Berndt betonte die Priorisierung von Ausgaben bei der katastrophalen finanziellen Situation.
- Lehrermangel und Kitas: Ein Mädchen erkundigte sich nach Plänen für Kindergärten, während allgemein Bildungsfragen im Fokus standen.
- Stadtentwicklung und Tourismus: Meik von Deetzen sprach sich für die Förderung des Tourismus und die Entwicklung Ueckermündes zur „Perle am Haff“ aus.
- Zusammenarbeit mit Stadtvertretern: Steffen Ruhnau, Geschäftsführer von Haff-Dichtungen, äußerte Sorgen über die aktuelle politische Lage und fragte nach Kooperationsbereitschaft.
Positionen der anwesenden Kandidaten
Jeremy Brehme warb mit seinem Alter von 25 Jahren und seiner IT-Expertise, um junge Einwohner und Unternehmen anzuziehen. René Hafenstein betonte die Notwendigkeit, die Stadtgemeinschaft wieder zu stärken, möglicherweise durch einen Vereinsbeirat. Karsten Berndt setzte auf Digitalisierung und seine Kenntnisse im Vertragsrecht, während Meik von Deetzen den Fokus auf wirtschaftliche Förderung und innere Ruhe in der Stadtpolitik legte. Martin Kühnl-Mossner, als gebürtiger Ueckermünder und Jurist, hob seine Ortskenntnis und Kompetenz für sachliche Entscheidungen hervor.
Kritik an Organisation und Ticketverkauf
Tino Spiegelberg bedauerte im Nachhinein, nicht teilgenommen zu haben, da das Forum fair verlaufen sei. Er kritisierte jedoch ähnlich wie Baranowski den Kartenvorverkauf, bei dem Gerüchte über gezielte Ticketkäufe von Kandidatengruppen kursierten. Zudem hatte er Bedenken wegen des Livestreams, der trotz Transparenz persönliche Angriffe in der aufgeheizten Stimmung begünstigen könnte. Moderator André Klink bedauerte die Absagen, betonte aber, dass öffentliche Personen wie Bürgermeisterkandidaten mit Übertragungen umgehen sollten. Der Livestream bleibt weiterhin auf Youtube verfügbar.
Insgesamt bot das Forum einen unvollständigen, aber intensiven Einblick in die Positionen der Bewerber, wobei die Abwesenheit zweier Kandidaten die Diskussion beeinflusste. Die Veranstaltung unterstrich die Bedeutung von Transparenz und Bürgerbeteiligung in der Kommunalpolitik, auch wenn organisatorische Herausforderungen bestehen blieben.



