Historischer Machtwechsel in München: Grüner Dominik Krause gewinnt OB-Stichwahl
In der bayerischen Landeshauptstadt hat sich ein politisches Erdbeben ereignet: Bei der Oberbürgermeister-Stichwahl am 22. März 2026 setzte sich der Grünen-Kandidat Dominik Krause mit deutlichen 56,4 Prozent der Stimmen gegen den amtierenden OB Dieter Reiter (SPD) durch, der nur 43,6 Prozent erreichte. Die Wahlbeteiligung lag bei lediglich 44,5 Prozent aller Wahlberechtigten, was 486.223 Wählerinnen und Wähler entspricht.
Markus Söder gibt späte Stellungnahme ab
Erst am Tag nach der Wahl äußerte sich Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) bei einer Pressekonferenz zu dem überraschenden Ergebnis. „Die Grünen haben landesweit verloren, München bildet die große Ausnahme, das muss man deutlich sagen“, stellte Söder klar. Er betonte, München sei „keine Wahl von, sondern eine Abwahl von Dieter Reiter“ gewesen.
Obwohl Söder dem scheidenden Oberbürgermeister für die Zusammenarbeit der vergangenen Jahre dankte, vermied er es, den Namen des Wahlsiegers Dominik Krause zu nennen. Stattdessen betonte er: „Das Angebot einer fairen Zusammenarbeit gilt auch ausdrücklich für München: Wir brauchen einander, und der Freistaat wird für jede kommunale Zusammenarbeit dringend und zwingend gebraucht.“
Reiters Rückzug und gelöschte Social-Media-Accounts
Noch am Wahlabend hatte der unterlegene Dieter Reiter vor seinen Parteikollegen im Oberangertheater seinen Rückzug aus der Politik erklärt. „Ein bitterer Abend für mich heute. Ich hab's verbockt. Es ist meine Schuld“, gestand der sichtlich angefasste SPD-Politiker. Bereits am Montag nach der Wahl waren seine Social-Media-Profile auf Instagram und Facebook nicht mehr aufzufinden – Reiter hatte sie offensichtlich gelöscht.
Koalitionsverhandlungen und Reaktionen
Unmittelbar nach dem Wahlsieg kündigte Dominik Krause an, zunächst mit der bisherigen Koalitionspartnerin SPD Gespräche zu führen, grundsätzlich aber mit allen demokratischen Parteien sprechen zu wollen. Der unterlegene CSU-Kandidat Clemens Baumgärtner forderte indes ein grün-schwarzes Bündnis im Rathaus, da dies nach der Kommunalwahl die beiden stärksten Kräfte im Stadtrat darstelle.
Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, gratulierte Krause zu seinem „bemerkenswerten Wahlerfolg“ und würdigte ihn als „engen Freund und Verbündeten der jüdischen Gemeinschaft“. Gleichzeitig dankte sie Dieter Reiter für die enge Zusammenarbeit der vergangenen zwölf Jahre.
Wahlstatistik und Besonderheiten
Die Auswertung der Stimmabgabe zeigt interessante Unterschiede:
- Bei der Urnenwahl holte Krause 59,1 Prozent, Reiter 40,9 Prozent
- Bei der Briefwahl war das Ergebnis knapper: 54,6 Prozent für Krause, 45,4 Prozent für Reiter
- Der Anteil der Briefwähler lag bei 61,1 Prozent aller abgegebenen Stimmen
- Krause gewann die meisten Stadtbezirke, nur in sieben konnte sich Reiter durchsetzen
Die Wahlbeteiligung von 44,5 Prozent lag deutlich unter der des ersten Wahlgangs am 8. März, wo 52,3 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben hatten. Auch im Vergleich zur letzten OB-Stichwahl 2020 (50,7 Prozent Beteiligung) zeigt sich ein Rückgang.
Parteienreaktionen und Ausblick
CSU-Fraktionschef Manuel Pretzl gratulierte zwar Krause, äußerte aber Bedenken: „Dominik Krause muss nun beweisen, dass er seine Wahlversprechen ernst meint und als Oberbürgermeister die Interessen aller Bürgerinnen und Bürger vertreten wird.“ Er verwies auf die großen Herausforderungen wie Stadtsanierung, Wohnungsbau und sozialen Zusammenhalt.
SPD-Fraktionschefin Anne Hübner zeigte sich betroffen: „Noch nie hat es so weh getan wie heute. Dass die SPD in München den OB stellt, war für uns immer eine Selbstverständlichkeit. Vielleicht zu selbstverständlich.“
Der Wahlsieg von Dominik Krause markiert einen historischen Einschnitt in der Münchner Stadtpolitik und beendet die zwölfjährige Ära von Dieter Reiter. Die kommenden Wochen werden zeigen, wie der neue Oberbürgermeister seine Versprechen umsetzt und welche Koalition das Rathaus künftig regieren wird.



