Emotionale Debatte um Lenin-Statue: Schweriner Stadtvertretung lehnt Denkmallisten-Eintrag ab
In einer kontroversen und emotional aufgeladenen Sitzung hat die Schweriner Stadtvertretung am Montagabend, dem 23. März 2026, über die Zukunft der Lenin-Statue auf dem Dreesch entschieden. Die politische Mehrheit sprach sich gegen eine Aufnahme der überlebensgroßen Plastik in die Denkmalliste aus, womit die endgültige Entscheidung nun beim Land Mecklenburg-Vorpommern liegt.
Historische Bewertung versus Opfergedenken
„Die Lenin-Statue ist ein Symbol für Verfolgung und Unrecht“, betonte Arndt Müller, Vorsitzender der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen/Die Partei, in der hitzigen Debatte. Sein Kontrahent Gerd Böttger, Fraktionschef der Linken, verwies dagegen auf Lenins historische Rolle: „Lenin hat den Ersten Weltkrieg beendet und die Bodenreform im zaristischen Russland durchgeführt.“ Diese beiden Positionen markierten die entgegengesetzten Pole einer Diskussion, die tief in die deutsche Erinnerungskultur griff.
Seit 1985 steht die Lenin-Plastik in der Hamburger Allee auf dem Dreesch. Das Landesamt für Kultur und Denkmalpflege hatte die Stadt als Eigentümerin aufgefordert, sich zu einer möglichen Aufnahme in die Denkmalliste zu äußern. Die Verwaltung hatte ursprünglich empfohlen, dem Landesamt zuzustimmen, doch dieser Vorschlag scheiterte bereits in den Fachausschüssen und nun auch in der Stadtvertretung.
Beschluss mit historischer Verantwortung
Im endgültigen Beschluss heißt es: „Die Stadtvertretung stellt fest, dass die Lenin-Statue ein Objekt ist, das für viele politisch Verfolgte, ihre Angehörigen sowie für die Opferverbände kommunistischer Diktaturen ein Symbol für Repression, Gewalt und Entrechtung darstellt.“ Weiter erkennt die Stadtvertretung ausdrücklich die besondere Sensibilität und historische Verantwortung an, die aus den Erfahrungen dieser Menschen erwächst.
Müller unterstrich die Bedeutung der Entscheidung: „Wir entscheiden heute, wie wir uns erinnern und auf welcher Seite wir stehen.“ Nicht der Diktator dürfe im Mittelpunkt stehen, sondern es müsse um die Opfer gehen.
Gescheiterte Versachlichungsversuche
SPD und Linke hatten vergeblich für die Einsetzung eines Expertengremiums geworben, das Vorschläge zum angemessenen Umgang mit der Statue erarbeiten sollte. SPD-Stadtvertreter Daniel Alff betonte, mit diesem Vorstoß solle zur Versachlichung der Debatte beigetragen werden. Linken-Vertreter Dr. Daniel Trepsdorf argumentierte: „Die Lenin-Plastik macht Geschichte sichtbar und diskutierbar.“ Die Fähigkeit, Widersprüchlichkeit auszuhalten, zeige die Reife einer Gesellschaft.
Manfred Strauß, Vorsitzender der Fraktion Unabhängige Bürger/FDP, erinnerte in der Debatte an die Millionen von Menschen, die unter Lenins direkter Herrschaft zu Tode kamen. ASK-Stadtvertreter Karsten Jagau plädierte dafür, aus dem Lenin-Denkmal ein Mahnmal zu entwickeln und sich so aktiv mit der Geschichte auseinanderzusetzen.
Entscheidung liegt nun beim Land
Für die Forderung von Bündnisgrünen und Die Partei, dass Oberbürgermeister Rico Badenschier bis November konkrete Vorschläge für die Weiterentwicklung des Standorts erarbeiten soll, fand sich keine Mehrheit. CDU-Fraktionschef Gert Rudolf argumentierte, zunächst solle abgewartet werden, wie sich das Landesamt für Kultur und Denkmalpflege entscheidet.
Tatsächlich liegt die endgültige Entscheidung über den Denkmallisten-Eintrag nun vollständig beim Land Mecklenburg-Vorpommern. Die Stadt tritt im Verfahren lediglich als Beteiligte auf, wie in der Sitzung deutlich wurde. Damit bleibt die Zukunft der umstrittenen Statue weiter ungewiss, während die Debatte über den Umgang mit historischen Symbolen in Schwerin weitergeht.



