Mit 76 Jahren für den Stadtrat: Ex-Chefredakteurin Patricia Riekel will Münchens Politik gestalten
Patricia Riekel (76) kandidiert für Münchner Stadtrat

Mit 76 Jahren für den Stadtrat: Patricia Riekel will Münchens Politik verändern

Eigentlich könnte Patricia Riekel im wohlverdienten Ruhestand sein – doch mit 76 Jahren hat die ehemalige Chefredakteurin großer Medienhäuser andere Pläne. Die überzeugte FDPlerin kandidiert erneut für den Münchner Stadtrat, nachdem ihr erster Versuch im Jahr 2020 noch scheiterte.

Vom Medienmachen zur Kommunalpolitik

Patricia Riekel, die früher als Chefredakteurin von Bunte, In Style und Amica Politiker interviewte, wird heute selbst interviewt. Seit 2020 engagiert sie sich als Fraktionsvorsitzende der FDP im Bezirksausschuss Bogenhausen und will nun den Sprung ins Rathaus schaffen. Gemeinsam mit ihrem langjährigen Partner Helmut Markwort (89), dem ehemaligen Focus-Chef und Ex-Landtagsabgeordneten, verbindet sie nicht nur jahrzehntelange Medienerfahrung, sondern auch die politische Überzeugung für die FDP.

„Landtag oder Bundestag haben mich nie gereizt“, erklärt Riekel in ihrer Villa in Bogenhausen. „Mich interessiert, was direkt vor der Haustür passiert – in meinem Viertel, in München.“ Für sie bedeutet Kommunalpolitik, nah am Leben der Menschen zu sein und vor allem eines zu können: wirklich zuzuhören.

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Kampf gegen Altersarmut und Wohnungsnot

Die 76-Jährige sieht ein drängendes Problem auf München zukommen: eine neue Form der Altersarmut. Nicht nur Menschen mit sehr niedrigen Renten seien betroffen, sondern auch jene, die sich das Leben in der teuren Stadt bislang leisten konnten. „Wenn dann der Ruhestand kommt oder ein Partner wegfällt, bleiben vielleicht 2000 Euro im Monat. Davon kann in München kaum jemand leben“, warnt Riekel.

Laut dem Rentenatlas 2025 der Deutschen Rentenversicherung liegt die Durchschnittsrente in Bayern bei 1691 Euro – mit deutlichen Unterschieden zwischen den Geschlechtern (Frauen: 1410 Euro, Männer: 1910 Euro). Riekel fordert: „Wer in München gelebt, gearbeitet und diese Stadt mitgetragen hat, muss auch im Alter hierbleiben können.“

Ihre Lösung: mehr Genossenschaften und bezahlbarer Wohnraum für Familien, Senioren und Alleinerziehende. Staatliche Regulierungen wie Mietpreisbremse oder Möblierungsdeckel lehnt die FDPlerin jedoch ab. „Der Wohnungsmarkt steht unter Druck, weil zu wenig gebaut wird – nicht, weil zu wenig reguliert wird.“ Stattdessen fordert sie: „Bauen, bauen, bauen“ und kritisiert leerstehende Häuser, etwa an der Freischützstraße.

Sicherheit und Verkehr als weitere Schwerpunkte

Neben der Wohnungsfrage beschäftigt Riekel auch das Thema Sicherheit, besonders für Frauen und Mädchen. „In meinem Freundeskreis höre ich immer öfter, dass sie sich an Bahnhöfen, in Parks oder abends in der U-Bahn unwohl fühlen“, berichtet sie. Mangelhafte Beleuchtung und fehlende Sicherheitsmaßnahmen seien oft der Grund.

Obwohl sie selbst lieber mit ihrem Smart Auto fährt und Staus gelassen nimmt („Und wenn ich im Stau stehe, dann geschieht mir das recht“), sieht sie beim öffentlichen Nahverkehr Handlungsbedarf – insbesondere bei der Verlässlichkeit.

Zweiter Anlauf mit besseren Chancen

Bei der letzten Kommunalwahl 2020 verpasste Riekel mit Listenplatz acht den Einzug in den Stadtrat, als die FDP nur drei Mandate gewann. Diesmal tritt sie mit Listenplatz vier an. Der amtierende Fraktionsvorsitzende und OB-Kandidat Jörg Hoffmann hofft auf mindestens sechs Sitze für die FDP – was Riekels Chancen deutlich verbessern würde.

Sollte sie gewählt werden, wird sie während der Wahlperiode ihren 80. Geburtstag feiern. Doch Ruhestand ist für sie kein Thema: „Statistisch gesehen bleiben uns nach dem Rentenbeginn noch gute 20 Jahre. Das ist noch viel Zeit, um etwas zu bewegen.“ Voll Tatendrang will die 76-Jährige beweisen, dass Alter kein Hindernis für politisches Engagement ist.

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