Wütende Leserreaktionen nach AfD-Parteitag in Prenzlau: Polizeiaufgebot und Gegendemos sorgen für Debatten
Der Landesparteitag der AfD am 14. und 15. März in Prenzlau wurde von lauten Protesten begleitet und hat im Nachgang heftige Diskussionen in der Nordkurier-Leserschaft ausgelöst. Der Bericht über die Gegendemonstrationen im Umfeld der Uckerseehalle und das große Polizeiaufgebot sorgte für zahlreiche wütende Leserbriefe, die Ton, Wirkung und Spekulationen über die Herkunft der Demonstranten kritisierten.
Kritik an der Größe und Herkunft der Gegendemos
Bernd Burmeister äußerte sich sarkastisch zur Anzahl der Demonstranten: „Es waren nur 80 Personen vor der Uckerseehalle? Wo war der Rest der Blase, der sonst mit Bussen rangekarrt wird? Da ist wohl der Diesel zu teuer geworden?“ Er bezweifelte die Ernsthaftigkeit der Proteste und warf den Organisatoren vor, nicht mit konkreten Lösungen für Probleme aufzutreten.
Ulrich Hemmerling kritisierte den Hass, der von den Gegendemonstrationen ausging: „Selten liest man von so viel Hass wie von der Gegendemonstration des Landesparteitages der AfD.“ Er wies auf den Spruch „da muss ich an Scheiße denken“ hin und fragte, ob dies ein Fall für Meldestellen gegen Hass sei. Hemmerling bemängelte das Fehlen handfester Argumente und Lösungsvorschläge, stattdessen dominiere lautes Geschrei und Hass gegen politisch Andersdenkende.
Frage nach dem Demokratieverständnis und Gewalt
Hemmerling spekulierte über die Herkunft der Demonstranten: „Und wenn ich lese ‚mit dem Zug Angereiste‘, dann ist mir einiges klar. Da haben wir das Berliner Demokratieverständnis mal eben in die Uckermark exportiert.“ Er warnte vor der Verniedlichung der Verbrechen des Dritten Reiches durch Vergleiche mit Nazis und kritisierte die flächendeckende Zerstörung von AfD-Plakaten als undemokratisch.
Werner Guth bezeichnete die Ereignisse in Prenzlau als Selbstinszenierung: „Was in Prenzlau stattfand, war kein politischer Protest – es war eine Selbstinszenierung.“ Er beschrieb 80 in Schwarz gekleidete Aktivisten, die größtenteils mit dem Zug angereist seien und der lokalen Bevölkerung ihre Meinung aufzwängen wollten. Guth betonte, dass von den eigentlichen Adressaten – den Uckermärkern, die die AfD wählen oder erwägen – wenig zu sehen war.
Wirkung auf die lokale Bevölkerung und politische Konsequenzen
Guth argumentierte, dass diese Art von Protest sich nicht an die Falschen, sondern an die Richtigen richte: „Er bestätigt die eigene Blase, erzeugt gutes Gefühl, verändert nichts.“ Er warnte, dass solche Aktionen der AfD täglich neues Futter liefern – das Bild des abgehobenen, lärmenden Gegners, der die einfachen Leute verachte. Guth forderte, wer Rechtsextremismus ernst nehmen wolle, müsse aufhören, sich dabei so gut zu fühlen.
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