Grünen-Kandidat Krause: Sein politisches Vorbild ist ausgerechnet ein SPDler
Krauses Vorbild: Ausgerechnet ein SPDler für Grünen-Kandidat

Grünen-Kandidat Krause: Sein politisches Vorbild ist ausgerechnet ein SPDler

Dominik Krause (35), Münchens Zweiter Bürgermeister, will für die Grünen Oberbürgermeister werden – und die Stadt nachhaltig verändern. Überraschend ist sein politisches Vorbild: Es ist ausgerechnet der SPD-Politiker Hans-Jochen Vogel, der München einst zur Großstadt machte.

Wahlkampf mit Habeck in der vollen Muffathalle

Vor kurzem stand Robert Habeck, der ehemalige Vizekanzler der Grünen, gemeinsam mit Krause auf der Bühne der bis auf den letzten Platz besetzten Muffathalle. Hunderte Menschen konnten nicht einmal mehr Einlass finden – ein Zeichen für das große Interesse an diesem Wahlkampfauftritt. Habeck, der nach der Bundestagswahl aus der Politik ausgeschieden war, unterstützt Krause im Rennen um das Münchner Rathaus.

Während Habeck locker plauderte, blieb Krause ernst und fokussiert. Die Grünen-Fraktionschefin Mona Fuchs beschreibt ihn als Politiker, der „niemals eine Entscheidung aus dem Bauch heraus“ trifft, sondern stets „auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse“ handelt. Diese Herangehensweise prägt auch seine politischen Schwerpunkte.

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Der Physiker im Rathaus

Krause ist studierter Physiker mit einer Masterarbeit über die Münchner Energieversorgung. Er gehört zu den wenigen Stadträten, die wirklich verstehen, wie Geothermie-Anlagen und Fernwärmenetze funktionieren. Seit zwölf Jahren arbeitet er im Rathaus – zunächst als Stadtrat, seit 2022 als Fraktionsvorsitzender der Grünen und seit zweieinhalb Jahren als Zweiter Bürgermeister.

Mit 33 Jahren war er bei Amtsantritt der jüngste Bürgermeister, den München je hatte. Er ist der erste, der offen mit einem Mann zusammenlebt und auf Dienstwagen sowie Fahrer verzichtet. Zu Terminen kommt er mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder dem Fahrrad.

Erfolge bei Erneuerbaren Energien

„2023 haben wir die Ziele dreifach übertroffen“, sagt Krause stolz zum Ausbau der Photovoltaik. Auch der Geothermie-Ausbau kann sich sehen lassen: Am Michaelibad entsteht gerade die größte Geothermie-Anlage auf europäischem Festland.

Sabine Krieger vom Bund Naturschutz betont: „Ohne Dominik Krause wäre es wahrscheinlich schwierig geworden, dass in der Haushaltslage Geld für den Klimaschutz übrig bleibt.“ Sie hat mit 80 Organisationen das Bündnis „Stadt für alle“ gegründet, um Klimaschutz nach der Wahl nicht zu vergessen.

Herausforderungen im Wohnungsbau

Allerdings klaffen beim Wohnungsbau Ziele und Realität weit auseinander. Grüne und SPD hatten im Koalitionsvertrag 10.000 neue Wohnungen durch die städtische Wohnungsbaugesellschaft vorgesehen – gebaut wurden nur etwas mehr als 6.000. Krause fordert nun, dass Wohnen zur Chefsache werden muss.

Als OB würde er eine Stelle zur Bekämpfung von Mietwucher und Leerstand direkt an sein Büro angliedern. Er will die Umwandlung leerstehender Büros in Wohnungen vorantreiben und Aufstockungen fördern.

Vorbild Hans-Jochen Vogel

Im Wahlkampf spricht Krause oft über sein Vorbild: Hans-Jochen Vogel, der mit 35 Jahren Münchner OB wurde und in dessen Amtszeit Fußgängerzone, Olympiapark sowie U- und S-Bahn entstanden. „So eine Aufbruchstimmung wie damals in den 60er Jahren, den Mut im Rathaus, Projekte auch gegen Widerstände umzusetzen, wünsche ich mir zurück“, sagt Krause.

Doch die politische Realität ist komplexer. Während Stadtratssitzungen sieht man Krause und Amtsinhaber Dieter Reiter auch mal miteinander lachen. Öffentlich kritisiert hat Krause Reiter selten, obwohl es bei der Verkehrswende und anderen Themen Differenzen gibt.

Veränderung durch Social Media

Auf Social Media erklärt Krause regelmäßig Stadtpolitik und erreicht Tausende Menschen. In einem Instagram-Video verteidigte er die Städtebaulichen Entwicklungsmaßnahmen (SEM), mit denen große Neubausiedlungen im Münchner Norden und Nordosten vorangetrieben werden sollen.

Eine Besucherin des Habeck-Abends sagte nach der Veranstaltung: „Vorher konnte ich nichts mit ihm anfangen. Ich wollte eigentlich Dieter Reiter wählen, um den von der CSU zu verhindern. Den Plan habe ich geändert.“ Ob diese Veränderung ausreicht, um Münchens ersten grünen Oberbürgermeister zu wählen, wird sich zeigen.

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