Finaler Prozesstag in Oslo: Verteidiger von Marius Borg Høiby haben das Wort
Nach fast sieben Wochen intensiver und emotional aufgeladener Verhandlungen erreicht der Mammut-Prozess gegen Marius Borg Høiby (29) seinen Höhepunkt. Der Sohn von Kronprinzessin Mette-Marit (52) und Stiefsohn des norwegischen Thronfolgers Haakon (52) muss sich seit dem 3. Februar vor dem Osloer Gericht verantworten. Die Vorwürfe sind schwerwiegend: Vier Frauen werfen ihm Vergewaltigung vor, zusätzlich werden Gewalt in engen Beziehungen und Drogendelikte angeklagt.
Staatsanwaltschaft fordert harte Strafe
Am gestrigen Mittwoch verkündete Staatsanwalt Sturla Henriksbø das geforderte Strafmaß: Sieben Jahre und sieben Monate Haft für den 29-Jährigen. In 39 von 40 Anklagepunkten sieht die Anklage Høiby als schuldig an. Die bereits absolvierte Untersuchungshaft von 63 Tagen soll von der Strafe abgezogen werden. Zusätzlich fordert die Staatsanwaltschaft ein zweijähriges Kontaktverbot zu seiner letzten Partnerin.
Die Anklagevertreter betonten die Schwere der Vorwürfe: „Vergewaltigung kann Leben zerstören“, so Henriksbø. Er wies darauf hin, dass Høiby ein erwachsener Mann gewesen sei, der genau gewusst habe, was er tat. Zwei der Frauen sollen zudem gewürgt, angespuckt oder angepinkelt worden sein.
Verteidigung kämpft um Freispruch in Kernpunkten
Am heutigen Donnerstag haben die Verteidiger Ellen Holager Andenæs und Petar Sekulic die letzte Gelegenheit, das Blatt zu wenden. Laut norwegischen Medien werden sie Freispruch in Bezug auf die vier Vergewaltigungsvorwürfe sowie den Vorwurf der Gewalt gegen Influencerin Nora Haukland (28) beantragen.
Nora Haukland, die etwa ein Jahr mit Marius zusammen war, verfolgt die Verhandlung gemeinsam mit drei weiteren der sechs betroffenen Frauen im Gerichtssaal. Sie berichtete von Gewalt und Wutausbrüchen während der Beziehung.
Marius’ Verhalten im Gerichtssaal
Als die Staatsanwaltschaft gestern die Haftstrafe forderte, zeigte der Angeklagte keine erkennbare Reaktion. Stattdessen kritzelte er auf seinem Spiralblock – unter anderem einen Totenkopf. Bereits in der vergangenen Woche hatte er sich im Zeugenstand als Opfer inszeniert, anstatt Reue zu zeigen.
Heute trägt Marius ein schwarzes Hemd, das er über der Hose trägt, und beobachtet aufmerksam, wer im Saal anwesend ist. Zum Abschluss des Prozesstages erhält er die Möglichkeit, selbst letzte Worte zu sprechen – falls er davon Gebrauch machen möchte.
Richter beraten über Urteil
Nach den Plädoyers der Verteidigung zieht sich Richter Jon Sverdrup Efjestad mit seinen Schöffen zur Urteilsberatung zurück. Die Entscheidung wird mit großer Spannung erwartet: Wird aus der harten Forderung der Anklage tatsächlich eine mehrjährige Gefängnisstrafe? Oder gelingt es der Verteidigung, Zweifel zu säen und das Strafmaß zu beeinflussen?
Der Prozess gegen den Sohn der norwegischen Kronprinzessin hat nicht nur juristische, sondern auch gesellschaftliche Dimensionen. Die Augen der norwegischen Öffentlichkeit sind auf Saal 250 des Osloer Gerichts gerichtet, wo sich heute das Schicksal von Marius Borg Høiby entscheiden wird.



