Fall Collien Fernandes löst politische und gesellschaftliche Reaktionen aus
Die Vorwürfe der Schauspielerin Collien Fernandes gegen ihren Ex-Mann Christian Ulmen haben ein breites Echo in Politik und Unterhaltungsbranche ausgelöst. Im SPIEGEL hatte die 44-Jährige Ulmen beschuldigt, täuschend echte Fakeprofile von ihr auf Social Media erstellt und darüber Hunderte von Männern kontaktiert zu haben. Dabei soll er sich als Fernandes ausgegeben und sexuelle Gespräche geführt sowie erotische Bilder und Videos verschickt haben, die den Eindruck erweckten, es handle sich um Aufnahmen von Fernandes. In Spanien, wo das Ex-Paar zuletzt lebte, hat Fernandes Anzeige gegen Ulmen erstattet. Das Verfahren befindet sich in einem frühen Stadium, für Ulmen gilt die Unschuldsvermutung. Seine Anwälte sprechen von "unwahren Tatsachen".
Justizministerin Hubig beschleunigt Gesetzesverfahren
Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) hat angekündigt, ihr geplantes Gewaltschutzgesetz, das Frauen besser vor digitaler Gewalt schützen soll, früher als geplant vorzulegen. Ursprünglich für das Frühjahr angekündigt, wird der Gesetzesentwurf nun bereits kommende Woche vorgelegt, um die Koordinierung innerhalb der Bundesregierung zu beschleunigen. Hubig betonte in den Tagesthemen die Dringlichkeit, digitale sexualisierte Gewalt effektiver zu bekämpfen. Zuvor hatte es vor allem von den Grünen Druck auf die Ministerin gegeben. Lena Gumnior, Obfrau der Grünen im Rechtsausschuss des Bundestags, kritisierte: "Wir Frauen sind die warmen Worte der Bundesjustizministerin leid." Sie forderte einen Gesetzesentwurf in der nächsten Sitzungswoche.
Forderungen nach Gleichstellung digitaler und physischer Gewalt
Die stellvertretende NRW-Ministerpräsidentin Mona Neubaur (Grüne) plädiert für eine Reform des Sexualstrafrechts, um digitale und physische Gewalt gleichzustellen. In einem Gastbeitrag für die "Rheinische Post" schrieb sie: "Digitale Gewalt ist reale Gewalt." Sie forderte zudem spezialisierte Gerichte für sexuelle Gewalt, analog wie digital, wie sie in anderen Ländern bereits existieren. Felix Banaszak, Bundesvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen, äußerte sich auf LinkedIn: "Ich schäme mich für einen Staat, der Frauen nicht genug schützt vor Gewalt, nicht vor physischer und erst recht nicht vor digitaler." Er rief zu Handlungen auf, um die Scham auf die Täterseite zu verlagern.
Solidaritätsaktionen und Demonstrationen
In Berlin ist für Sonntagnachmittag eine Kundgebung am Brandenburger Tor unter dem Motto "Sexualisierte und digitale Gewalt stoppen" geplant. Initiiert vom Bündnis "Feminist Fight Club!", soll auf strukturelle Missstände und Gesetzeslücken aufmerksam gemacht werden. Parallel startete die Initiative Brand New Bundestag eine Unterschriftenaktion gegen digitale Gewalt, die bereits über 1300 Unterstützer fand, darunter Politiker wie Hubertus Heil (SPD), Lamya Kaddor (Grüne), Roderich Kiesewetter (CDU) und Katrin Fey (Linke). Abgeordnete wie Katrin Göring-Eckardt (Grüne) und Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) zeigten sich solidarisch mit Fernandes und lobten ihren Mut.
Reaktionen aus der Unterhaltungsbranche
Kollegen aus dem Showbusiness äußerten sich betroffen und solidarisch. ProSieben-Moderator Joko Winterscheidt schrieb auf Instagram: "Es ist so verstörend, zu lesen, was dir angetan wurde, dass mir ehrlich gesagt die Worte fehlen." Die Produktionsfirma Pyjama Pictures, verantwortlich für die Serie "Jerks" ab der vierten Staffel, erklärte, schockiert über die Vorwürfe zu sein und mit Ulmen im Gespräch über die Rückgabe seiner Gesellschafteranteile zu stehen. Schauspielerinnen wie Pheline Roggan und Emily Cox, die in "Jerks" mitspielten, bewunderten Fernandes' Mut und Kraft, öffentlich aufzutreten. Roggan schrieb: "Damit die Scham endlich die Seiten wechselt."
Der Fall unterstreicht die Dringlichkeit, rechtliche Lücken im Umgang mit digitaler Gewalt zu schließen und Betroffene besser zu unterstützen. Die beschleunigte Gesetzgebung und die breite Solidarität signalisieren einen möglichen Wendepunkt im Kampf gegen sexualisierte und digitale Übergriffe.



