Rechtsextreme Szene wächst deutlich
Die rechtsextreme Szene in Deutschland ist nach dem am Dienstag veröffentlichten Verfassungsschutzbericht für das Jahr 2025 weiter gewachsen. Das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) rechnet ihr ein Potenzial von rund 58.700 Anhängern zu – ein Anstieg um gut 8.000 im Vergleich zum Vorjahr. Der Zuwachs ist laut Bericht vor allem auf die wachsende Anhängerschaft der AfD zurückzuführen, die vom Verfassungsschutz als Verdachtsfall für verfassungsfeindliche Bestrebungen geführt wird. Die Partei hatte im Oktober 2025 erklärt, sie habe nunmehr 70.000 Mitglieder. Folglich habe sich auch das extremistische Personenpotenzial innerhalb der AfD entsprechend vergrößert, so der Bericht. Der Verfassungsschutz schätzt, dass 28.000 AfD-Anhänger der rechtsextremen Szene zuzurechnen sind – ein Anstieg von 20.000 im Vorjahr.
Mehr gewaltbereite und jüngere Rechtsextreme
Von den 58.700 Rechtsextremisten werden 15.600 als gewaltbereit eingestuft, ein leichter Anstieg gegenüber 15.300 im Vorjahr. Der Verfassungsschutz beobachtet eine Verjüngung, Vernetzung und Tatorientierung der Szene. Als Beispiele nennt der Bericht den Rechtsterrorismus der Gruppe „Letzte Verteidigungs Welle“ und die virtuelle Vernetzung im „Brenton Fanclub“. Rechtsextremisten bemühten sich, ihre Narrative an den gesellschaftlichen Diskurs anzupassen, wobei die Themen Asyl und Migration im Fokus stünden.
Die Szene der „Reichsbürger“ und „Selbstverwalter“ umfasst bundesweit rund 26.000 Menschen, davon etwa 2.600 gewaltorientiert. Diese Gruppen negieren die Existenz der Bundesrepublik Deutschland und lehnen ihr Rechtssystem ab. Etwas mehr als fünf Prozent von ihnen werden dem rechtsextremen Spektrum zugeordnet.
Linksextreme Szene wächst ebenfalls
Die linksextreme Szene ist laut Verfassungsschutz ebenfalls gewachsen. Ihr werden rund 42.200 Personen zugerechnet, etwa 4.200 mehr als im Vorjahr. 11.600 Anhänger dieser Szene gelten als gewaltbereit. Als Belege für die Gefahr werden Brandanschläge auf die Berliner Stromversorgung im September 2025 und Januar 2026 sowie ein Anschlag auf 22 Fahrzeuge der Münchner Polizei im Jahr 2025 aufgeführt. Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine habe nicht nur zu einer Zunahme von Spionage, Sabotage, Desinformation und Einflussoperationen durch Russland in Deutschland geführt, sondern auch den Linksextremismus befeuert – etwa wenn unter Berufung auf „antimilitaristische Gründe“ Straftaten begangen würden.
Antisemitismus verbindet Extremisten
Der Nahostkonflikt habe 2025 erneut ein hohes Mobilisierungspotenzial im islamistischen Spektrum erzeugt, stellt das Bundesamt fest. Anhänger von Hamas und Hisbollah hätten sich jedoch mit öffentlichkeitswirksamen Handlungen weitestgehend zurückgehalten. Ein Sonderkapitel des Berichts widmet sich den Auswirkungen des Nahostkonflikts und dem Antisemitismus. Unterschiedliche extremistische Akteure riefen zu Hass und Gewalt gegen Jüdinnen und Juden oder den Staat Israel auf oder verneinten dessen Existenzrecht. Regelmäßig komme es bei Demonstrationen zu antisemitischen Vorfällen. Die Gefahr möglicher Terroranschläge gegen als jüdisch oder israelisch wahrgenommene Ziele sei weiter als konstant hoch einzuschätzen. Hinzu komme Hetze in sozialen Medien.
Seit den Terrorangriffen der Hamas auf Israel im Jahr 2023 und dem anschließenden Gazakrieg beobachten die Verfassungsschützer verstärkt, dass Israelfeindschaft und Antisemitismus zu einer Solidarisierung über einzelne extremistische Szenen hinaus führen. Vor allem Akteure aus dem säkularen propalästinensischen Extremismus hätten eine Scharnierfunktion zwischen deutschen und türkischen Linksextremisten, türkischen Rechtsextremisten sowie zur hiesigen islamistischen Szene übernommen.



