Hitlerspruch und Sexismus: FDP-Influencer (17) verlässt Junge Liberale
Hitlerspruch und Sexismus: FDP-Influencer verlässt JuLis

Ein 17-jähriger Influencer der FDP hat nach SPIEGEL-Informationen die Jungen Liberalen (JuLis) verlassen – nicht aus politischen Gründen, wie zunächst behauptet, sondern wegen eines drohenden Parteiausschlussverfahrens. Der Jugendliche soll in einer Chatgruppe mehrfach mit rassistischen und sexistischen Äußerungen aufgefallen sein, darunter ein Zitat Adolf Hitlers.

Rassistische und sexistische Chatnachrichten aufgedeckt

Laut SPIEGEL hatte der junge FDP-Anhänger in einer geschlossenen Chatgruppe über mehrere Monate hinweg Inhalte geteilt, die gegen die Grundsätze der Partei verstoßen. Neben einem als Hitlerzitat identifizierten Spruch fanden sich darin abwertende Bemerkungen über Frauen und Migranten. Die Nachrichten wurden von anderen Gruppenmitgliedern dokumentiert und der JuLi-Führung gemeldet.

Der Vorfall ereignete sich im Frühjahr 2026. Der Influencer, der auf sozialen Medien für die FDP warb, war bis dahin als Nachwuchstalent der Liberalen gehandelt worden. Er hatte unter anderem an Wahlkampfveranstaltungen teilgenommen und Videos für die Partei produziert.

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Rücktritt statt Parteiausschluss

Nachdem die JuLi-Spitze von den Vorwürfen erfuhr, leitete sie ein Parteiausschlussverfahren ein. Um diesem zuvorzukommen, erklärte der Jugendliche seinen Austritt aus der Jugendorganisation. Öffentlich begründete er diesen Schritt mit politischen Differenzen – eine Darstellung, die nach SPIEGEL-Recherchen nicht der Wahrheit entspricht.

Ein Sprecher der Jungen Liberalen bestätigte den Vorgang auf Anfrage: „Wir haben Kenntnis von den Vorfällen und haben entsprechend gehandelt. Der Austritt erfolgte im Rahmen des laufenden Verfahrens.“ Weitere Details nannte er mit Verweis auf den Datenschutz nicht.

Reaktionen aus der FDP

In der FDP löste der Fall Diskussionen über die Kontrolle von Nachwuchskräften aus. Ein FDP-Bundestagsabgeordneter, der namentlich nicht genannt werden wollte, sagte: „Solche Vorfälle schaden dem Ansehen der Partei enorm. Wir müssen sicherstellen, dass unsere Mitglieder die Werte der Liberalen vertreten – auch in privaten Chats.“

Der betroffene Influencer selbst äußerte sich bislang nicht zu den konkreten Vorwürfen. Auf seinem Instagram-Profil, das er inzwischen deaktiviert hat, hatte er zuvor regelmäßig liberale Positionen beworben. Die FDP-Jugendorganisation kündigte an, ihre Schulungsangebote zu politischer Korrektheit zu verstärken.

Fall wirft Fragen zur Parteikultur auf

Der Fall zeigt, wie schwierig es für Parteien ist, die Kommunikation ihrer Mitglieder in geschlossenen Gruppen zu überwachen. Experten für politische Kommunikation sehen darin ein generelles Problem: „Gerade junge Politiker nutzen oft unbedacht plumpe Sprache, die später gegen sie verwendet werden kann“, so ein Politikwissenschaftler der Universität Berlin. Die FDP reagierte mit einer internen Richtlinie, die klare Grenzen für die Nutzung von Chats durch Parteimitglieder setzt.

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