Die Berliner Linke erlebt turbulente Zeiten: Während die Partei in Umfragen zur Abgeordnetenhauswahl unerwartet zulegt, gerät ein zentrales Wahlversprechen ins Wanken. Spitzenkandidatin Elif Eralp setzt daher auf klassischen Haustürwahlkampf, um direkt mit den Wählern ins Gespräch zu kommen. Unser Reporter begleitete sie durch den Bezirk Kreuzberg.
Direkter Draht zu den Mietern
An einem warmen Juliabend klingelt Elif Eralp an der Wohnungstür von Marcel Exner. Der Mieter öffnet überrascht, zeigt sich aber gesprächsbereit. „Ich habe viele Fragen zur Mietpreisbremse und zur geplanten Enteignung von Wohnungskonzernen“, sagt Exner. Eralp hört zu, notiert sich Anliegen und verspricht, sich für bezahlbaren Wohnraum einzusetzen. „Der direkte Kontakt ist unersetzlich. Hier erfahre ich, was die Menschen wirklich bewegt“, erklärt die Linken-Politikerin.
Umfragehoch und Wahlversprechen unter Druck
Erst vor wenigen Wochen kletterte die Linke in einer Umfrage auf 14 Prozent – ein Rekordwert für die Hauptstadtpartei. Doch gleichzeitig mehren sich Zweifel an der Finanzierbarkeit ihres wichtigsten Wahlversprechens: der kostenlosen Nahverkehrsnutzung für alle Berliner. Kritiker bemängeln fehlende Gegenfinanzierung. Eralp räumt ein: „Wir arbeiten an einem soliden Konzept und werden es rechtzeitig vor der Wahl vorlegen.“ Sie betont, dass die Einnahmen aus einer höheren Grundsteuer und einer City-Maut die Kosten decken könnten.
Gespräche über Alltagssorgen
Neben der Wohnungsfrage dominieren Themen wie die Sauberkeit in Parks und die Sicherheit auf den Straßen die Gespräche. An einer weiteren Tür trifft Eralp auf eine junge Mutter, die sich über zu wenige Kitaplätze beklagt. „Die Stadt wächst, aber die Infrastruktur hinkt hinterher“, sagt die Frau. Eralp verspricht, das Thema in die nächste Fraktionssitzung einzubringen. „Jede Stimme zählt – und jede Sorge wird gehört“, so die Spitzenkandidatin.
Herausforderungen für die Linke
Der Haustürwahlkampf ist für die Linke auch eine strategische Notwendigkeit. In den Umfragen liegt die Partei zwar vorn, doch die Wählerbindung ist fragil. Viele Anhänger der Linken sind Wechselwähler, die von der SPD oder den Grünen kommen. „Wir müssen die Leute dort abholen, wo sie stehen – vor ihrer eigenen Haustür“, sagt Eralp. Der Aufwand sei hoch, aber die Resonanz ermutigend.
Bis zur Wahl im September will Eralp noch Hunderte Gespräche führen. Ob das Umfragehoch hält, hängt auch davon ab, ob die Linke ihre Versprechen glaubwürdig vermitteln kann.



