Im Interview mit dem Tagesspiegel äußert sich der neue FDP-Vorsitzende Wolfgang Kubicki deutlich zur politischen Lage. Er bezeichnet die meisten AfD-Wähler als verzweifelt und fordert eine stärkere liberale Präsenz in der deutschen Politik.
Kampfkandidatur um den Parteivorsitz
Beim Bundesparteitag der Liberalen trat Marie-Agnes Strack-Zimmermann gegen Kubicki an. Auf die Frage, ob dies legitim oder ein Foulspiel gewesen sei, antwortet Kubicki: „Dass es eine Kampfkandidatur gab, begrüße ich. Und ich verstehe auch, dass in der FDP viele keine Lust mehr auf eine One-Man-Show haben und daran erinnern wollten, dass die Partei nicht nur aus mir besteht. Das hatten wir schon mal. Sorge, dass ich nicht gewinnen könnte, hatte ich aber zu keinem Zeitpunkt. Den Ablauf fand ich dennoch, sagen wir mal, bemerkenswert.“
Zukunft der FDP
Kubicki betont, dass die FDP wieder eine Kraft werden müsse, die respektiert wird. Er sieht die Partei in der Verantwortung, klare liberale Positionen zu vertreten und sich nicht von anderen Parteien vereinnahmen zu lassen. „Wir müssen wieder die Stimme der Vernunft sein, die für Freiheit und Eigenverantwortung eintritt“, so Kubicki.
AfD-Wähler im Fokus
Besonders deutlich wird Kubicki bei der Analyse der AfD-Wählerschaft. „Die meisten AfD-Wähler sind verzweifelt. Sie fühlen sich von der Politik im Stich gelassen und suchen nach einfachen Antworten. Es ist unsere Aufgabe, ihnen zu zeigen, dass liberale Lösungen besser sind als populistische Parolen.“
Kubicki fordert eine sachliche Debatte über die Gründe für den Aufstieg der AfD und warnt davor, die Partei zu dämonisieren. „Nur wenn wir die Sorgen der Menschen ernst nehmen, können wir sie zurückgewinnen.“
Kanzler Merz und die FDP
Mit Blick auf die Aussage von Kanzler Merz, die FDP sei tot, kontert Kubicki: „Das war wohl ein Versuch, uns klein zu reden. Aber die FDP lebt und wird sich weiterhin für eine liberale Politik einsetzen. Wir lassen uns nicht unterkriegen.“
Der FDP-Chef zeigt sich optimistisch für die Zukunft: „Wir haben viele junge, engagierte Mitglieder und eine klare Botschaft. Die Menschen werden wieder erkennen, dass eine starke FDP wichtig für die Demokratie ist.“



