Alfred Draxler übt scharfe Kritik an der Aufarbeitung des WM-Debakels und fordert mehr als nur einen neuen Bundestrainer. Zwar sei die Entscheidung, Rudi Völler im Amt zu lassen, richtig – er stehe als letzter Repräsentant der guten Zeiten im deutschen Fußball und könne den Umbruch zusammenhalten. Auch der Abgang von Andreas Rettig als Geschäftsführer Sport sei die einzig gute Nachricht nach dem Ausscheiden. Doch Draxler betont: „Ein neuer Bundestrainer – auch wenn er Jürgen Klopp heißt – wird nicht reichen, die Probleme zu lösen. Man muss auch an die Strukturen ran! Auch ganz oben!“
Neuendorf in der Kritik
Draxler stellt offen die Frage, ob DFB-Präsident Bernd Neuendorf der Richtige für die Position sei. Neuendorf sei vier Jahre im Amt und habe bereits zwei Weltmeisterschaften verschuldet: 2022 das Vorrunden-Aus in Katar mit der „One-Love“-Binde und dem Mund-zu-Debakel, nun das frühe Scheitern bei der WM in Nordamerika. „Im Nachhinein fragt man sich, warum Neuendorfs DFB den Vertrag mit Nagelsmann letztes Jahr noch um zwei Jahre verlängert hat. Und wenn schon, warum der Vertrag seine Gültigkeit behält, sobald nur die Gruppenphase überstanden wird. Jetzt muss der DFB 6 Millionen Euro Abfindung zahlen.“
Fehlentscheidungen und mangelnde Weitsicht
Der Kommentator wirft Neuendorf vor, wenig Weitsicht bei Personalentscheidungen bewiesen zu haben. Nach Katar hielt er an Hansi Flick fest, musste ihn aber knapp ein Jahr später wegen Erfolglosigkeit feuern. Die Installation von Andreas Rettig als Nachfolger von Oliver Bierhoff habe überhaupt niemand verstanden. Rettig, von Uli Hoeneß einst als „König der Scheinheiligen“ bezeichnet, spielte vor Katar noch den Revoluzzer und rief zum Boykott der Spiele auf. Jetzt aber schweige er zu Trump, Infantino oder hohen Eintrittspreisen – „kein Wunder, er kassiert beim DFB ja jetzt auch rund 700.000 Euro.“
Peinliche Aussagen von Rettig
Während der WM zeigte sich Rettig in einem Interview „geflasht“, wie nett die Leute seien und wie gut alles organisiert wäre. Die Polizeieskorten seien „à la bonheur“. In Fußballerkreisen wird gemunkelt, dass Rettig den Job nur bekam, weil er Neuendorf bei dessen erster Wahl 2022 unterstützt habe. Draxler resümiert: „Von Konsequenzen ist wenig die Rede. Für meinen Geschmack zu wenig!“



