CDU-Parteitag: Wüst stellt sich in Düsseldorf in Merz' Schatten
CDU-Parteitag: Wüst stellt sich in Merz' Schatten

Beim CDU-Landesparteitag in Düsseldorf hat Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst demonstrativ den Weg für Bundeskanzler Friedrich Merz freigemacht. Die Botschaft war klar: Ein Symbol der Einigkeit sollte von der Veranstaltung ausgehen, Rückendeckung für den Kanzler aus der eigenen Partei. Noch vor wenigen Wochen waren die Rollenverhältnisse weniger eindeutig gewesen.

Gerüchte um Reservekanzler-Rolle

Angesichts des Streits in der schwarz-roten Koalition um das Reformpaket waren Gerüchte aufgekommen, dass Wüst sich als „Reservekanzler“ bereithalte, sollte Merz keine Einigung zustande bringen. Öffentlich wollte Wüst davon nie etwas wissen. Inzwischen haben Union und SPD sich in Berlin auf einige Reformen geeinigt, sodass der 50-Jährige bemüht ist, seine Rolle in der Partei deutlich zu machen.

So begann er auch seine Rede auf dem Landesparteitag der CDU im Düsseldorfer Maritim-Hotel mit lobenden Worten an seinen Parteichef. Das ganze Reformpaket könne sich sehen lassen, sagte Wüst. „Mein ganz besonderer Dank gilt dem Bundeskanzler. Er hat ein paar richtig dicke Bretter gebohrt.“

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Merz überraschend zu Gast

Merz hatte kurzfristig seine Anwesenheit angekündigt. Eigentlich wollte die Partei sich auf den Wahlkampf für die kommende Landtagswahl im April 2027 einstimmen. Zumindest in den Reden von Wüst und Merz kam der Wahlkampf wegen des prominenten Gastes deutlich kürzer. In ihren Reden versuchten sich die beiden gegenseitig zu übertreffen. Die klareren Worte fand der Ministerpräsident, auch wenn er sich bemühte, Merz immer wieder die Bühne zu überlassen.

Auf Wüsts „Dieses Land kann mehr. Es ist an uns, das möglich zu machen“, folgte Merz mit den Worten: „Wer, wenn nicht wir? Die Deutschen, die schon so oft gezeigt haben, was möglich ist.“

Visionen und Seitenhiebe

Das Thema, dem Wüst den Großteil seiner Rede widmete, war die Vision hinter den „Taten der Regierung“: Mit Worten wie „Kinder sind unsere Zukunft“ und „Wir wollen nicht, dass Herkunft über Zukunft entscheidet“ erntete Wüst immer wieder applaudierende Zustimmung aus dem Publikum. Immer wieder betonte Wüst, wo die Regierung NRWs Vorhaben umgesetzt habe – Seitenhiebe Richtung Berlin? „Es geht nicht um Überschriften, sondern um Projekte“, betonte er.

Auch Merz gab das Ziel aus, ein lebenswertes Land für künftige Generationen hinterlassen zu wollen, fokussierte sich aber erst einmal darauf, die Arbeit der Koalition über die vergangenen Wochen zu loben und dass diese das Vertrauen der Bevölkerung zurückgewinne. Am Rande sprach er an, dass erfolgreiche Landespolitik auch dazu beitrage. Merz machte klar, welche Rolle er spielt – und welche der NRW-Ministerpräsident.

Applaus und Ovationen

Während Wüsts Rede immer wieder von Applaus unterbrochen wurde, dauerte es bei Merz fast bis zum Ende, bis die Begeisterung im Publikum ankam. Wüst hielt sich am Ende seiner Rede mit bekannten Worten zurück: „Packen wir es an, machen wir weiter, worauf es ankommt.“ Stehende Ovationen bekam er trotzdem, setzte sich allerdings währenddessen schon wieder hin. Merz, dessen Platz neben ihm war, stand weiterhin und applaudierte.

Den euphorischen Redenschluss überließ Wüst seinem Parteikollegen. „Kulturpessimisten, Untergangspropheten, Nöler, Nörgler, empörte Berufskritiker: Wegtreten!“, rief Merz. „Wir gehen mit Zuversicht und Optimismus an die Arbeit und wir bringen unser Land wieder auf das Level, auf das wir es verdient haben.“

Enttäuschung bei Teilnehmern

Über Wüsts Rede zeigten sich einige Teilnehmer enttäuscht. „Wüst hat sich sehr zurückgehalten, um die Bühne freizugeben.“ Der Ministerpräsident nahm immer wieder Bezug auf Merz’ Arbeit in Berlin. So fand er auch nach Merz’ Auftritt nur lobende Worte: „Optimistisch, zuversichtlich, kämpferisch – das hat Spaß gemacht, ihm zuzuhören.“

Zum Abschied noch ein weiteres Symbol: Wüst übergab Merz, selbst begeisterter Radfahrer, ein Gelbes Trikot, passend zum Start der Tour de France am Samstag. Gelb tragen immer die Fahrerinnen und Fahrer, die die Gesamtwertung anführen.

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