Rechtsextremes Personenpotenzial steigt drastisch
Der Jahresbericht des Bundesamtes für Verfassungsschutz (BfV) für das Jahr 2025 zeigt eine besorgniserregende Zunahme des rechtsextremen Personenpotenzials in Deutschland. Demnach wurden im vergangenen Jahr 58.700 Menschen dem rechtsextremen Spektrum zugeordnet – ein Anstieg um 8450 im Vergleich zum Vorjahr. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) betonte bei der Vorstellung des Berichts: „Der Rechtsextremismus bleibt die größte Bedrohung für unsere Demokratie.“ Besonders alarmierend sei der Trend zur Verjüngung, Vernetzung und Tatorientierung der Szene.
Als konkrete Beispiele für diese Entwicklung nannte das BfV die rechtsterroristische Gruppe „Letzte Verteidigungs Welle“ sowie die virtuelle Vernetzung im „Brenton Fanclub“. Die Szene der „Reichsbürger“ und „Selbstverwalter“ umfasst bundesweit rund 26.000 Menschen, von denen etwa 2600 als gewaltorientiert eingestuft werden.
Linksextremismus ebenfalls im Aufwind
Auch die Zahl der Linksextremisten ist gestiegen: Das BfV ordnete 2025 insgesamt 42.200 Personen diesem Spektrum zu, nach rund 38.000 im Vorjahr. Die linksextremistische Szene gilt als besonders schwer zu durchdringen. Der Bericht enthält etwa zu den Anschlägen auf die Stromversorgung und Bahninfrastruktur, die sogenannten „Vulkangruppen“ zugeschrieben werden, wenig konkrete Details. Es heißt lediglich: „Es lässt sich annehmen, dass sich hinter den ‚Vulkangruppen‘ ein Netzwerk verbirgt.“ Dabei handele es sich vermutlich um unterschiedliche Strukturen, die den Namen als Label nutzten. Ideologisch werden die Gruppen dem gewaltorientierten, anarchistischen Spektrum zugeordnet.
Das BfV sieht einen direkten Zusammenhang zwischen dem Aufwind des Linksextremismus und Entwicklungen im rechten Spektrum. Im Jahresbericht heißt es: „Aufgrund des von der Szene wahrgenommenen ‚Rechtsrucks‘ in der Gesellschaft ist davon auszugehen, dass der ‚militante Antifaschismus‘ seine wichtige Rolle behalten und es weiterhin zu einer Vielzahl von linksextremistisch motivierten Straf- und Gewalttaten in diesem Kontext kommen wird.“
Auswirkungen externer Konflikte
Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine hat laut BfV nicht nur zu einer Zunahme von Spionage, Sabotage, Desinformation und Einflussoperationen durch Russland in Deutschland geführt, sondern auch den Linksextremismus befeuert – etwa durch Straftaten, die unter Berufung auf „antimilitaristische Gründe“ begangen würden. Der Nahostkonflikt habe 2025 erneut „ein hohes Mobilisierungspotenzial im islamistischen Spektrum“ erzeugt, stellt das Bundesamt fest. Insgesamt hätten sich Anhänger von Hamas und Hisbollah aber mit öffentlichkeitswirksamen Handlungen weitestgehend zurückgehalten.



