Prozess um gescheiterte Gefangenenbefreiung eines Clanmitglieds in Berlin
Gescheiterte Gefangenenbefreiung eines Clanmitglieds vor Gericht

Ein 23-jähriges Mitglied einer bekannten arabischen Großfamilie muss sich seit heute vor dem Amtsgericht Tiergarten verantworten. Ihm wird vorgeworfen, vor rund zweieinhalb Jahren gemeinsam mit mehreren Komplizen versucht zu haben, seinen Bruder aus dem Krankenhaus des Maßregelvollzugs in Berlin-Buch zu befreien. Die Tat ereignete sich in der Nacht zum 20. Dezember 2023 gegen drei Uhr.

Ablauf der Tat

Laut Anklage durchtrennten die Vermummten mit einem Flex zwei Zäune um das Krankenhausgelände und hebelten eine Tür auf. Anschließend versuchten sie, die Fenstergitter des Zimmers des 28-jährigen Bruders zu durchtrennen. Als ein Alarm ausgelöst wurde, flüchteten die Täter unverrichteter Dinge.

Ein Polizeibeamter sagte als erster Zeuge aus, dass er und seine Kollegin nach einem Notruf schnell vor Ort waren. Ein Fahrzeug mit laufendem Motor habe an einer Einfahrt gestanden, und er habe „ein Gesicht mit Sturmhaube“ gesehen. Der Fahrer habe sofort Gas gegeben. Kurz darauf sei ein zweites Auto davongerast und verschwunden – „eine Verfolgung war zwecklos“, so der Beamte.

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Die Tür war blockiert

Die Tür zum Zimmer des 28-Jährigen ließ sich zunächst nicht von außen öffnen, da ein abgebrochener Schlüssel im Schloss steckte. Erst als der Inhaftierte von innen öffnete, konnten die Beamten eintreten. Der 28-Jährige habe die Hände gehoben und gesagt: „Dumm gelaufen, aber in neun von zehn Malen gewinnen wir.“ Eine DNA-Spur an einem der verwendeten Werkzeuge führte die Ermittler auf die Spur des 23-jährigen Angeklagten.

Vorstrafen der Brüder

Erst vor zweieinhalb Monaten wurden beide Brüder in einem anderen Verfahren verurteilt: wegen Brandanschlägen vor einem Gefängnis im Frühjahr 2024. Der 28-Jährige erhielt als Auftraggeber drei Jahre und drei Monate Haft wegen Anstiftung, der 23-Jährige wurde wegen Brandstiftung zu zwei Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt. Beide Urteile sind noch nicht rechtskräftig.

Prozess wird fortgesetzt

Der Verteidiger des 23-Jährigen erklärte zu Prozessbeginn, sein Mandant werde zu den Vorwürfen schweigen. Die Anklage lautet auf versuchte Gefangenenbefreiung und Sachbeschädigung. Der Prozess wird am 16. Juni fortgesetzt.

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