Der mehrfach vor der deutschen Küste gestrandete Buckelwal ist zwar bereits tot in Dänemark gefunden worden, doch die Staatsanwaltschaft Schwerin wird noch lange mit den Folgen zu kämpfen haben. Wie Jonas Krüger, Sprecher der Ermittlungsbehörde, der Deutschen Presse-Agentur mitteilte, ist die Anzahl der Vorgänge mit Bezug zu dem Meeressäuger mittlerweile dreistellig. Eine derartige Masse an Eingaben sei für die Staatsanwaltschaft ein neues Phänomen. Die Vorgänge stammen nicht nur aus Mecklenburg-Vorpommern, landen aber aufgrund der Zuständigkeit dennoch in Schwerin.
Anzeigen und kuriose Hinweise
Bei den Vorgängen handelt es sich nicht ausschließlich um Anzeigen, sondern teils auch um bloße Hinweise. Bürger hätten ihre Hilfe angeboten und diese gleich an viele Stellen gesendet. „Ich kann auch mit Walen reden“, habe etwa jemand geschrieben. Krüger bezeichnete einige der Eingaben als „aberwitzig“. Neben Anzeigen gegen Umweltminister Till Backhaus (SPD) und das Deutsche Meeresmuseum gebe es auch Vorwürfe wegen unterlassener Hilfeleistung aus der Zeit, als man sich entschieden hatte, den Wal weitgehend in Ruhe zu lassen. Später seien Anzeigen mit Verweis auf das Tierschutzgesetz eingegangen, die sich gegen die Transportmaßnahmen bei der umstrittenen Rettungsaktion einer privaten Initiative richteten.
Breite Palette an Beschuldigten
Die Anzeigen richten sich gegen verschiedenste Personen, darunter Beteiligte des Transports. Umweltminister Till Backhaus sei wegen allem Möglichen angezeigt worden – sowohl für Untätigkeit als auch für ergriffene Maßnahmen. Auch Mitarbeiter des Deutschen Meeresmuseums, das an der Bergung nicht beteiligt war, wurden angezeigt. Krüger zufolge scheine praktisch jeder, der durch die Medienberichterstattung mit dem Wal in Verbindung gebracht wurde, Anzeigen erhalten zu haben. Selbst Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD), die sich aus dem Fall heraushielt, sei nicht verschont geblieben.
Zuständigkeit und Bearbeitung
Die Zuständigkeit der Schweriner Staatsanwaltschaft ergibt sich daraus, dass sich der Wal lange Zeit vor der Insel Poel aufhielt. Für diesen Bereich ist das Amtsgericht Wismar und somit die Schweriner Staatsanwaltschaft zuständig. Wenn jemand andernorts in Deutschland online eine Anzeige stellt, wird diese in der Regel an die für den Wohnort zuständige Polizeidienststelle weitergeleitet, die sie dann an die zuständige Staatsanwaltschaft und schließlich nach Schwerin weiterleitet. Krüger konnte nicht abschätzen, wie viele weitere Vorgänge noch eingehen werden. Zudem sei unklar, ob tatsächlich Anhaltspunkte für Ermittlungen vorliegen. Teilweise werden Vorgänge möglicherweise zusammengefasst. Fest steht: Die Behörde muss alle Eingänge sichten.



