Staatsanwaltschaft erhebt neue Anklage gegen René Benko
Neue Anklage gegen René Benko erhoben

Der österreichische Investor und ehemalige Milliardär René Benko muss sich erneut vor Gericht verantworten. Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) hat im Zusammenhang mit dem Signa-Komplex Anklage beim Landesgericht Innsbruck wegen schweren Betrugs und Schädigung von Gläubigerinteressen erhoben. Die Anklage ist noch nicht rechtskräftig.

Vorwürfe im Detail

Die Staatsanwaltschaft wirft Benko vor, im Rahmen einer Garantieerklärung gegenüber einem Investor eine Privatstiftung um fünf Millionen Euro geschädigt zu haben. Nach Informationen des SPIEGEL handelt es sich bei dem Investor um Hans Peter Haselsteiner, den ehemaligen Chef des Baukonzerns Strabag, der einst zu den wichtigsten Investoren von Signa zählte.

Zudem soll Benko, der sich seit 18 Monaten in Untersuchungshaft befindet, bei seiner Insolvenz als Einzelunternehmer den Besitz eines Jagdgewehrs im Wert von 80.000 Euro verschwiegen haben. Dadurch seien die Interessen von Gläubigern beeinträchtigt worden. In früheren Verfahren hat Benko alle Vorwürfe bestritten.

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Ermittlungen gegen Familienangehörige

Die WKStA ermittelt auch gegen eine Familienangehörige von Benko wegen des Verdachts des versuchten schweren Betrugs. Es handelt sich offenbar um seine Ehefrau Nathalie. In einem Zivilverfahren vor dem Landesgericht Innsbruck soll sie versucht haben, die zuständige Richterin zu täuschen, um eine Klage auf Rückzahlung abzuwehren und die Insolvenzmasse von René Benko um zwei Millionen Euro zu schädigen. Nathalie Benko und ihr Anwalt waren für eine Stellungnahme zunächst nicht erreichbar.

Bisherige Verurteilungen

Der ehemalige Milliardär ist bereits in zwei ähnlichen Prozessen verurteilt worden, jedoch sind die Urteile noch nicht rechtskräftig. Im Oktober 2025 wurde er zu einer zweijährigen Haftstrafe verurteilt. Im Dezember 2025 folgte eine Bewährungsstrafe von 15 Monaten sowie eine Geldstrafe wegen Schädigung seiner Gläubiger. Im Signa-Komplex wird Benko zudem des Betrugs, der Untreue und des Bankrotts verdächtigt. Weitere Anklagen könnten folgen.

Benko hatte mit seinem verschachtelten Immobilien- und Handelsimperium Signa rund 20 Jahre lang ein Milliardenvermögen aufgebaut. Steigende Zinsen und Baukosten sowie risikoreiche Zukäufe wie die der deutschen Warenhauskonzerne Karstadt und Kaufhof trieben die Signa in die Insolvenz.

Stellungnahme der Verteidigung

René Benkos Anwalt Norbert Wess wies die Anschuldigungen auf SPIEGEL-Anfrage zurück. Aus Sicht Benkos treffe keiner der drei Vorwürfe zu. Die Forderung gegenüber der Haselsteiner Privatstiftung sei längst überfällig gewesen, lange bevor die Garantie durch Benko abgegeben worden sei. Daher könne es keinen Betrugsschaden geben. Die Waffe habe nie in Benkos Eigentum gestanden, sodass er sie auch nicht seinen Gläubigern entzogen haben könne. Die Unterhaltszahlung sei bei den damaligen Einkommensverhältnissen gesetzlich geschuldet und damit gerechtfertigt gewesen.

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