Der frühere SPD-Vorsitzende Franz Müntefering hat sich überraschend hinter Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) gestellt und die zunehmende Kritik an dessen Kommunikationsstil zurückgewiesen. Bei der Verleihung des Politikawards für sein Lebenswerk in Berlin äußerte er sich am Montagabend deutlich: „Soviel Hinterhältigkeit ist doch da. Ich denke mir: Lassen wir ihn doch mal.“ Mit diesen Worten reagierte Müntefering auf die anhaltende Debatte um die Rhetorik des Kanzlers.
Wandel in der Haltung des Alt-Sozialdemokraten
Noch im vergangenen Jahr hatte Müntefering in einem eindringlichen Video eindringlich davor gewarnt, Friedrich Merz zum Kanzler zu wählen. Er erinnerte daran, dass weder Helmut Kohl noch Angela Merkel Merz in ihre Kabinette berufen hatten. „Warum? Weil sie ihn nicht haben wollten. Die haben ihn gekannt. Die haben gewusst, das ist nicht gut mit dem“, sagte Müntefering damals. Nun scheint er jedoch zu einer anderen Einschätzung gelangt zu sein.
Gemeinsame Heimat und aktuelle Herausforderungen
Müntefering und Merz stammen beide aus dem Sauerland. Der Kanzler steht wegen seines oft als zu forsch empfundenen Auftretens in der Kritik und hat selbst eingeräumt, dass es Defizite in der Kommunikation gebe. Müntefering möchte Merz jedoch keine Ratschläge für seine Strategie geben: „Ich denke mir: Lassen wir ihn doch mal.“ Diese Aussage wurde vom Publikum mit Applaus quittiert.
Würdigung durch Vizekanzler Klingbeil
Vizekanzler Lars Klingbeil (SPD) würdigte Müntefering in seiner Laudatio als jemanden aus dem Maschinenraum, „der nicht schweigt, wenn es darauf ankommt“. Die Auszeichnung „Politikaward“ wird seit 2003 vom Magazin „Politik und Kommunikation“ und der Quadriga Hochschule an Politiker verliehen, die durch außergewöhnliche Leistungen hervorgetreten sind.
Weitere Auszeichnungen und aktuelle Ereignisse
Der neue baden-württembergische Ministerpräsident Cem Özdemir (Grüne) wurde als „Politiker des Jahres“ geehrt. Er konnte jedoch nicht persönlich an der Gala in Berlin teilnehmen, da ein nächtlicher Brand in einem Umspannwerk in Reutlingen zu einem großflächigen Stromausfall geführt hatte. Özdemir ließ sich entschuldigen.
Die Veranstaltung fand im Tipi am Kanzleramt statt. Müntefering wurde für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Die Ehrung unterstreicht seine langjährige Bedeutung für die deutsche Sozialdemokratie.



