Mental Load in Familien: Politik muss handeln – Forderungen an die Regierung
Mental Load: Politik muss Familien entlasten

Berlin – Die mentale Dauerschleife beginnt oft schon vor dem Aufwachen: Hat die Kita heute einen Ausflug? Reicht das Brot noch? Wer bringt das Kind zum Chor? Diese unsichtbare Denkarbeit, bekannt als „Mental Load“, betrifft Millionen Familien in Deutschland. Eine repräsentative Studie der R+V Versicherung zeigt: Vier von fünf Familien fühlen sich durch die organisatorische und mentale Dauerbelastung unter Druck. Besonders Frauen sind betroffen: 89 Prozent von ihnen haben ständig das Gefühl, an alles denken zu müssen. 79 Prozent der Eltern wünschen sich eine gerechtere Verteilung der Aufgaben, und 75 Prozent fordern mehr Unterstützung durch staatliche Strukturen. Viele Familien fühlen sich mit ihren Problemen alleingelassen. Doch wie könnte die Politik helfen? Wir haben bei Parteien und Verbänden nachgefragt.

Familienministerin Prien: Mehr Unterstützung nötig

Karin Prien (60, CDU), Bundesfamilienministerin, betont: „Mental Load ist Ausdruck einer nach wie vor ungleichen Verteilung von Familien- und Sorgearbeit. Gute Familienpolitik muss den Alltag von Eltern konkret erleichtern und eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie ermöglichen.“ Doch gleichzeitig plant ihr Haus massive Einsparungen: Bis zu 350 Millionen Euro sollen beim Elterngeld gestrichen werden. Diese Kürzungen stoßen auf breite Kritik.

SPD und Grüne: Väter stärker einbinden

SPD-Politiker Felix Döring (35) fordert mehr Verantwortung von Vätern und eine Debatte über Arbeitszeiten: „Solange Vollzeit für Väter als Normalität gilt und Teilzeit vor allem von Müttern erwartet wird, bleibt echte Gleichberechtigung aus.“ Die frauenpolitische Sprecherin der Grünen, Ulle Schauws (60), sieht das ähnlich: „Hilfreich wäre, wenn es normaler würde, dass Väter mehr Elternzeit übernehmen. Auch die Einführung der Familienstartzeit könnte ein echter Gamechanger sein.“

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Linke: Sozialleistungen automatisieren

Linken-Politikerin Kathrin Gebel (29) ergänzt: „Die Politik könnte konkret entlasten, indem Sozialleistungen einfacher und möglichst automatisch ausgezahlt werden. Anträge für Kindergeld, Elterngeld oder den Kinderzuschlag sollten nicht zur zusätzlichen Belastung werden.“

Verbände warnen vor Kürzungen

Der Deutsche Familienverband spricht von einem Alarmruf. Bundesgeschäftsführer Sebastian Heimann: „Wenn vier von fünf Familien unter ständiger Überlastung leiden, brennt sprichwörtlich die Hütte. Es kann nicht sein, dass Eltern nach Feierabend noch Anträge wälzen müssen.“ Der Deutsche Frauenrat kritisiert die geplanten Kürzungen beim Elterngeld scharf. Anja Weusthoff (60) vom Frauenrat sagt: „Statt die Lohnersatzraten zu erhöhen und mehr Anreize für Partnerschaftlichkeit zu setzen, wird gekürzt. Das ist ein Skandal. Die einseitige Belastung von Frauen werden wir so nicht überwinden.“

Mental Load belastet auch Beziehungen

Eva Becker (61) vom Deutschen Anwaltsverband erlebt, wie Mental Load Ehen belastet. „Es ist selten der alleinige Grund für eine Trennung, aber Ehen leben davon, dass sich Menschen wertschätzen und Verantwortung füreinander übernehmen. Fehlt diese Wertschätzung, wird ein gesellschaftliches Problem zum Paarproblem: Einer verdient mehr, eine trägt mehr Familienverantwortung, und die Leistung zu Hause wird oft nicht gleichwertig gesehen.“

Eine Anfrage der Redaktion an die AfD blieb bis zur Veröffentlichung unbeantwortet.

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