In der Talkshow "Markus Lanz" entbrannte am Dienstagabend ein heftiger Schlagabtausch zwischen Moderator Markus Lanz und dem CDU-Bundestagsabgeordneten Johannes Volkmann. Auslöser war ein virales Video von Volkmanns Großvater, Altkanzler Helmut Kohl, sowie die Debatte um Kanzler Friedrich Merz und dessen politischen Stil.
Der "Wir schaffen das"-Moment von Merz
Die Diskussion begann mit einer Rede von Friedrich Merz beim CDU-Landesparteitag in Mecklenburg-Vorpommern, in der er auf Angela Merkels berühmten Satz "Wir schaffen das" zurückgriff. Marina Kormbaki, Redakteurin des "Spiegel", bezeichnete dies als Merz' "Wir schaffen das"-Moment. Lanz fragte daraufhin Volkmann: "Herr Volkmann, was ging Ihnen durch den Kopf, als Sie das gesehen haben? Friedrich Merkel bei der Arbeit?"
Volkmann verteidigte den Kanzler zunächst: "Ich glaube, der Bundeskanzler hat Stehauf-Qualitäten." Lanz konterte: "Das unterstellt, dass er schon am Boden lag." Volkmann räumte schlechte Umfragewerte ein, betonte aber die außergewöhnlich vielen Krisen der letzten Jahre. Merz spreche nicht aus Larmoyanz, sondern aus Entschlossenheit.
Helmut-Kohl-Video bringt Volkmann in Bedrängnis
Lanz schaltete eine zweite Ebene ein und spielte einen alten Ausschnitt von Helmut Kohl ein, der über die Härte des Kanzleramts sprach: "Wenn Sie für ein solches Amt kandidieren, müssen Sie was aushalten." Volkmann stimmte zu, fand den Aufbau der Szene jedoch "ein bisschen unangenehm". Lanz unterbrach: "Jetzt sind Sie der Nächste, der super empfindlich ist." Die Gesprächsführung wurde selbst zum Konflikt.
Volkmann wirft Lanz Politikshow vor
Volkmann kritisierte: "Seit mehreren Minuten sprechen wir nur über Emotionen und nicht über Sachfragen. Nichts davon, was wir jetzt gerade machen, ist geeignet, das Ansehen von Politik in Deutschland zu verbessern." Lanz wies die Kritik zurück und verwies auf Merz' eigene Emotionalisierung: "Also die Emotionalisierung der Politik findet doch insbesondere durch diesen Kanzler statt. Ich kann das nicht so stehen lassen." Er fragte: "Ist es zielführend, den Deutschen ständig zu sagen: Ihr arbeitet zu wenig?"
Merz' Arbeitssätze werden zum Bumerang
Volkmann versuchte zu versachlichen: "Die Frage, wie unsere Arbeitsproduktivität sich entwickelt, ist doch eine legitime Diskussion." Lanz blieb jedoch bei seiner Lesart: Merz' eigene Rhetorik begünstige die Verkürzung, Arbeitnehmer seien faul. Aus dem Versprechen "Wir können das schaffen" wurde die Frage, wer dieses "wir" sei und wer unter Verdacht stehe, nicht genug zu leisten.
Kormbaki: Merz fehlt Empathie
Marina Kormbaki widersprach Volkmanns Impuls, Emotionen aus der Debatte herauszuhalten: "Ein Grund, dass es nicht läuft, ist, dass es emotional, atmosphärisch nicht stimmt in der Regierung." Politik brauche eine emotionale, empathische Ansprache, wie sie der AfD gelinge. Volkmann hielt dagegen: "Es braucht auch politische Substanz und Inhalte."
Audretsch kritisiert Kürzungsorgien
Andreas Audretsch, Grünen-Fraktionsvize, führte den Streit zurück zur Reformpolitik: "Wir bräuchten eine Aufbruchsstimmung, um Reformen hinzukriegen." Er kritisierte Merz' Aussagen zur Arbeitsleistung und nannte die geplanten Kürzungen bei Jugendhilfe, Eingliederungshilfe und Wohngeld "Kürzungsorgien". Volkmann verteidigte die Gesundheitsreform: Diese bestehe nicht allein aus Kürzungen, sondern aus Priorisierung von Leistungen zur Beitragsstabilität.
Streit um Steuererhöhungen
Auf Lanz' Frage nach Steuererhöhungen wurde Volkmann vorsichtig: "Das ist zu kurz gegriffen." Er verwies auf die Steuerreformkommission und betonte die hohe Belastung des Mittelstands: "Jede Diskussion einer Reichensteuer ist am Ende eine Handwerkersteuer." Kormbaki zog eine Wahlkampf-Lehre: Man solle von Maximalversprechen Abstand nehmen, da Wortbruch die Vertrauenskrise verstärke.



