Drei Jahrzehnte nach der Wende: Die Debatte um Ost-West-Klischees hält an
Seit der Veröffentlichung des kontroversen Beitrags „Wir Ostdeutschen gelten immer noch als undankbar, arbeitsunwillig und faul“ im Nordkurier ist eine lebhafte Diskussion entbrannt. Sowohl aus den alten als auch aus den neuen Bundesländern erreichen die Redaktion unzählige Zuschriften zu diesem Thema. Eine dieser persönlichen Erfahrungen teilt Erhard Steiner mit den Lesern.
Ein Umzug und seine Folgen
Vor mehr als 30 Jahren zog Erhard Steiner von Thüringen nach Baden-Württemberg. „Was ich mir da anhören musste. Jetzt kommen die faulen DDR-Bürger“, erinnert sich der Leser deutlich zurück. Doch bereits am ersten Tag in seinem neuen Lebensumfeld konnte er nicht feststellen, was die Westdeutschen so Außergewöhnliches geleistet hätten. „Das entwickelte sich erst über einen längeren Zeitraum“, fügt er hinzu.
Sein persönliches Fazit fällt eindeutig aus: „So viele faule Leute in meinem unmittelbaren Umkreis habe ich noch nie gesehen.“ Steiner betont, dass er schon zu DDR-Zeiten sehr viel gearbeitet habe, da das Handwerk nicht anders gewesen sei. Im „Land der tausend Wünsche“, wie er den Westen nennt, habe er nach Feierabend weitergearbeitet, weil die Nachfrage groß war.
Überraschung bei Westbesuch
Der Lohn für seine Arbeit sei unter anderem eine modern eingerichtete Wohnung gewesen. „Als wir Westbesuch bekamen, hat der Bauklötze gestaunt“, berichtet Steiner. „Die haben wohl gedacht, wir seien bettelarm. Die Überlieferung war schon damals falsch und setzt sich bis heute fort.“
Sein Resümee nach drei Jahrzehnten im Westen ist differenziert: „In jeder Familie und in jedem Staat wird es unterschiedliche Auffassungen zur Arbeit geben.“ Er verweist auf Langzeitarbeitslose und Bürgergeldempfänger, die seiner Meinung nach ebenfalls nicht für Fleiß stünden.
Persönliche Erfahrungen mit dem System
„Als ich mich vor 30 Jahren beworben habe, bin ich sofort eingestellt worden. Und ich bin auch nie wegen Faulheit gekündigt worden“, betont Steiner. Ihm habe kein Staat geholfen – er musste selbst herausfinden, wie das System im Westen funktioniert. Da sein Partner aus dem Westen kam, hatte er damit jedoch keine größeren Probleme.
Seine klare Botschaft: „Es gibt nicht den fleißigen Wessi und den faulen Ossi. Das ist faktisch falsch und diskriminierend – egal für wen.“ Die pauschalen Urteile über Ost und West hält er für überholt und schädlich für den gesellschaftlichen Zusammenhalt.
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