Der Fahrgastverband Pro Bahn hat scharfe Kritik an der erneuten Verschiebung der Fertigstellung von Stuttgart 21 geübt. Das Prestigeprojekt der Deutschen Bahn soll nun frühestens im Jahr 2031 in Betrieb gehen können, wie die Verantwortlichen am Montag mitteilten. Für Pro-Bahn-Sprecher Jürgen Klatt ist das ein weiterer Beleg dafür, dass das Vorhaben aus dem Ruder gelaufen sei: „Stuttgart 21 kann als Flop bezeichnet werden“, sagte er der Bild-Zeitung.
Jahrelange Verzögerungen und explodierende Kosten
Ursprünglich war die Fertigstellung für 2021 geplant. Doch immer wieder gab es Rückschläge: technische Probleme, gerichtliche Auseinandersetzungen und zuletzt auch die Folgen der Corona-Pandemie. Die Kosten sind von anfangs rund 4,5 Milliarden Euro auf inzwischen über 11 Milliarden Euro gestiegen. „Das ist ein Trauerspiel für die Steuerzahler und die Fahrgäste“, so Klatt. Der Verband fordert nun eine umfassende Aufklärung und Konsequenzen für die Verantwortlichen.
Auswirkungen auf den Regional- und Fernverkehr
Die erneute Verzögerung hat auch konkrete Auswirkungen auf den Zugverkehr in der Region Stuttgart. Bis zur Fertigstellung müssen Pendler und Reisende mit Einschränkungen rechnen. Der Kopfbahnhof bleibt vorerst in Betrieb, doch die Umsteigewege sind lang und die Kapazitäten begrenzt. Pro Bahn kritisiert zudem, dass die Bahn keine klaren Alternativen für die Übergangszeit präsentiere. „Die Fahrgäste werden im Regen stehen gelassen“, bemängelte Klatt.
Die Deutsche Bahn versicherte derweil, dass man mit Hochdruck an der Fertigstellung arbeite. Man habe aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt und setze nun auf eine engere Zusammenarbeit mit den Baufirmen. Ob der neue Zeitplan von 2031 tatsächlich haltbar ist, bleibt jedoch fraglich. Experten bezweifeln, dass die Bahn die selbst gesteckten Ziele einhalten kann.



