Rentenbeiträge steigen auf fast 20 Prozent: Gründe und Prognosen
Rentenbeiträge steigen auf fast 20 Prozent

Berlin. Die Beitragszahler der gesetzlichen Rentenversicherung müssen sich auf höhere Belastungen einstellen. Mehrere Medien berichteten am Montag, dass die Rentenbeiträge ab dem Jahr 2028 von derzeit 18,6 Prozent auf 19,9 Prozent ansteigen könnten. Die Deutsche Rentenversicherung Bund bestätigte diese Zahlen und verwies auf ihre aktuelle Frühjahrsfinanzschätzung, die im Mai veröffentlicht wurde.

Prognose bis 2040: Weiterer Anstieg erwartet

Der Schätzung zufolge werden die Beiträge in den Jahren bis 2040 noch weiter steigen. Bereits im November des vergangenen Jahres hatte Bundesvorstands-Chef Alexander Gunkel einen Anstieg auf 19,8 Prozent im Jahr 2028 angekündigt. Nun fällt die Mehrbelastung sogar noch etwas höher aus. Laut Rentenversicherung wird der Beitragssatz ab 2029 bei 20 Prozent liegen, ab 2035 bei 20,9 Prozent und ab 2040 schließlich bei 21,1 Prozent.

Ursachen: Demografie und Beschäftigungsentwicklung

Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales, geführt von der SPD-Vorsitzenden Bärbel Bas, nannte als Hauptgrund die demografische Entwicklung und insbesondere den Renteneintritt der geburtenstarken Jahrgänge in den kommenden Jahren. Der für 2028 prognostizierte Wert sei zudem einer etwas ungünstigeren Beschäftigungsentwicklung in der Frühjahrsprojektion der Bundesregierung geschuldet. Die Rentenversicherung betonte, dass der aktuelle Beitragssatz seit 2018 stabil sei, die bevorstehende Erhöhung sei die erste seit 2007.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Einnahmen und Ausgaben der Rentenversicherung

Im Jahr 2024 nahm die Rentenversicherung Bund insgesamt 396,6 Milliarden Euro ein, davon 272 Milliarden Euro aus Pflichtbeiträgen und 87,8 Milliarden Euro vom Bund. Die Ausgaben lagen bei 397,4 Milliarden Euro. Für 2025 lagen die vorläufigen Einnahmen bei 417,4 Milliarden Euro (284,9 Milliarden Euro Pflichtbeiträge, 93,2 Milliarden Euro Bundeszuschuss) und die Ausgaben bei 421,3 Milliarden Euro. Die Nachhaltigkeitsrücklage, ein Sicherheitspuffer, betrug Ende 2024 rund 44,4 Milliarden Euro und Ende 2025 vorläufig 41,3 Milliarden Euro.

Rentenreform der Bundesregierung

Die schwarz-rote Koalition plant eine umfangreiche Rentenreform. Bis Ende Juni soll eine Rentenkommission Vorschläge präsentieren. Arbeitsministerin Bas äußerte den Wunsch nach einer einstimmigen Empfehlung. Die Kommission tagt unter strikter Vertraulichkeit, sodass der aktuelle Stand unklar ist. Die tatsächliche Entwicklung der Beiträge hängt maßgeblich von den Vorschlägen der Kommission ab.

Reaktionen der Sozialverbände

Die Sozialverbände zeigen sich grundsätzlich gesprächsbereit. Michaela Engelmeier, Vorstandsvorsitzende des Sozialverbands Deutschland (SoVD), betonte, dass die Alterssicherung künftig mehr Geld kosten werde. Sie plädierte für einen Maßnahmen-Mix: Versicherungsfremde Leistungen sollten aus Steuermitteln finanziert werden, alle Erwerbstätigen müssten in die gesetzliche Rentenversicherung einbezogen werden. Erst dann könne über eine moderate Anhebung des Beitragssatzes nachgedacht werden. Verena Bentele, Präsidentin des Sozialverbands VdK, forderte höhere Bundeszuschüsse, die Einbeziehung von Beamten, höhere Beitragsbemessungsgrenzen, eine stärkere Beteiligung der Arbeitgeber sowie eine bessere Integration von Frauen, Geflüchteten und älteren Beschäftigten in den Arbeitsmarkt.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration