Mut wird in Deutschland bestraft: Jobcenter entlässt Whistleblower
Mut wird bestraft: Jobcenter entlässt Whistleblower

Harald Martenstein (72) schreibt die tägliche Kolumne in BILD. In seinem neuesten Beitrag widmet er sich einem Fall, der zeigt, wie in Deutschland mit Wahrheitsliebe umgegangen wird.

Der Fall Fred Göcken

Fred Göcken, 60 Jahre alt, arbeitet seit Jahrzehnten im Jobcenter Bremen. In einem Interview mit dem ZDF sprach er offen über Missstände in seiner Behörde. Er berichtete, dass 30 bis 40 Prozent der Bürgergeld-Empfänger falsche Angaben machen würden. Ein gängiger Trick sei die Scheintrennung von Paaren. Einer der Partner ziehe angeblich in eine neue Wohnung, das Amt übernehme die Miete. In Wirklichkeit werde die Wohnung schwarz untervermietet.

Solcher Sozialbetrug auf Kosten der Allgemeinheit ärgert Herrn Göcken. Er gilt als Whistleblower, jemand, der Missstände aufdeckt. Doch statt Lob erntete er eine fristlose Kündigung. Das Jobcenter wirft ihm vor, „die Grenzen der Meinungsfreiheit“ überschritten zu haben. Dabei schilderte er lediglich Tatsachen, keine Meinung.

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Ein System, das Mut bestraft

Martenstein stellt fest: „Eines der größten Probleme bei uns ist, dass über manche Probleme nicht offen gesprochen werden soll.“ Die Konsequenz: Deutschland hat einen weiteren Arbeitslosen, Herrn Göcken. Warum? Weil er mutig war. Mut soll nicht zum Massenphänomen werden. „Wehret den Anfängen!“, mahnt der Kolumnist.

Die Entlassung wirft Fragen auf: Darf ein Mitarbeiter nicht über offensichtliche Missstände sprechen? Welche Konsequenzen hat das für andere, die ähnliches beobachten? Martenstein appelliert an die Gesellschaft, Zivilcourage zu belohnen, statt zu bestrafen.

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