Kommentar: Westens Versagen stärkt Chinas Weltmachtanspruch
Westens Versagen stärkt Chinas Weltmachtanspruch

Kommentar: Pekings stärkster Verbündeter ist das Versagen des Westens

China präsentiert seinen Bauplan für eine neue Weltordnung. Dass er verfangen könnte, ist weniger das eigene Verdienst als das Chaos, das die USA mit den Verbündeten verursacht. Martin Benninghoff

Am Ende muss Chinas Regierung gar nicht mehr viel tun. Mit stoischer Gelassenheit wiederholen Chinas Außenpolitiker seit Monaten ihren Bauplan einer neuen Weltordnung, in der – oh Wunder – die Volksrepublik selbstverständlich eine zentrale Rolle einnehmen will. Ein jetzt vorgestelltes Strategiepapier zu Chinas Sicht auf die Weltpolitik ist vor diesem Hintergrund ein Kompendium bekannter Argumente Pekings.

Dagegen ist gar nichts zu sagen. Ärgerlich ist aber, wie leicht es die Antagonisten, allen voran die unzuverlässigen USA unter Trump und die oft überfordert wirkende EU, Chinas Führung machen, sich als stabiler und verlässlicher Akteur zu gerieren.

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Ein Narrativ, das andere Länder in die Arme Chinas treibt, wie Umfragen zeigen: Das Image Chinas als Ordnungsmacht ist vor allem in Ländern des globalen Südens gewachsen. Und das liegt weniger an China selbst als am Versagen des Westens, der ungewollt Chinas beste Imagekampagne betreibt.

Sicher, auf dem Papier sprechen einige Gründe für Chinas wohlmeinende Selbstdarstellung. Die Volksrepublik hat im Gegensatz zu den USA in den vergangenen Jahrzehnten nur wenige zwischenstaatliche Kriege geführt, so im Koreakrieg vor sieben Jahrzehnten, den Grenzscharmützeln mit Indien und Ende der Siebzigerjahre gegen Vietnam. Chinas Aggression heute ist allerdings subtiler, weniger offiziell, stärker im Graubereich – so im Südchinesischen Meer oder gegen Taiwan, das Peking sich notfalls mit Gewalt einverleiben will.

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