Im Interview mit dem Handelsblatt und der Süddeutschen Zeitung hat Eric J. Geressy, strategischer Berater von US-Verteidigungsminister Pete Hegseth, klargestellt, dass die USA fest hinter dem NATO-Bündnis stehen. Es könne keine Rede davon sein, dass sich Washington aus der NATO und Europa zurückziehe. Geressy war in den letzten Tagen in Deutschland, um sich mit den höchsten US-Kommandanten vor Ort zu beraten.
Truppenabzug aus Deutschland: Noch keine Entscheidung
US-Präsident Donald Trump hatte angekündigt, 5.000 Soldaten aus Deutschland abzuziehen, was in Berlin für Besorgnis sorgt. Geressy betonte jedoch, dass dies keineswegs beschlossene Sache sei. Derzeit würden alle Optionen und Szenarien sowie deren mögliche Auswirkungen sorgfältig geprüft. Die Entscheidungen würden vom Kriegsminister in Absprache mit dem Kommandanten des US-Europakommandos getroffen, und am Ende werde Präsident Trump darüber entscheiden.
Auf die Frage, ob den Verantwortlichen im Pentagon und im Weißen Haus bewusst sei, dass viele Bewohner von Vilseck auf dem US-Stützpunkt arbeiteten und Geschäfte auf die Soldaten angewiesen seien, antwortete Geressy: „Ich bin zuversichtlich, dass dies berücksichtigt wird. Nichts wird überstürzt, nichts wird auf die leichte Schulter genommen.“ US-Truppen seien seit Ende des Zweiten Weltkriegs hier stationiert und zum Bestandteil der lokalen Gemeinschaft geworden.
Bedeutung des 2. Cavalry Regiments
Das in Vilseck stationierte 2. Cavalry Regiment ist die schnelle Eingreiftruppe der US-Armee. Geressy betonte, dass keine andere Einheit das leisten könne, was diese Einheit leiste. Im Krisenfall könne sie innerhalb kürzester Zeit überall eingreifen und auf jede Bedrohung auf dem europäischen Kontinent reagieren. Die Einheit sei technisch auf dem neuesten Stand und hervorragend ausgebildet. Ob es sinnvoll sei, das Regiment in Deutschland zu lassen, sei letztlich eine politische Entscheidung. Aus militärischer Sicht sei die Fähigkeit entscheidend, schnell und effektiv zu reagieren – von Deutschland, Polen oder anderswo.
Zusammenarbeit mit der Bundeswehr
Geressy, der selbst lange Soldat war, hob die Bedeutung der Zusammenarbeit mit der Bundeswehr hervor. Heute sei alles vernetzt, und die Zusammenarbeit sei wichtiger denn je. Zum Beispiel trainiere die 12. Panzerbrigade der Bundeswehr mit den US-Einheiten in Deutschland. Die internen Beziehungen zwischen den Partner-Streitkräften seien unerlässlich und müssten weiter ausgebaut werden. Wenn nötig, müssten Soldaten in der Lage sein, zum Telefon zu greifen und bei der 12. Panzerbrigade um Hilfe zu bitten.
Europas Verantwortung in der NATO
Verteidigungsminister Hegseth habe klargemacht, dass die Zeiten, in denen man sich bei der Sicherheit Europas in erster Linie auf die US-Steuerzahler und die US-Militärmacht verlassen habe, sich ändern. Europa sei wohlhabend und leistungsfähig; die Verbündeten müssten mehr Verantwortung für ihre Verteidigung übernehmen. Ein stärkeres Europa sorge für ein stärkeres Bündnis. Viele Partner hätten ihre Verteidigungsausgaben bereits deutlich erhöht, was zeige, dass die Botschaft über Lastenteilung und gemeinsame Verantwortung Gehör finde.
Kriege der Zukunft: Menschen entscheiden
Auf die Frage, ob Kriege der Zukunft mit Robotern oder Drohnen ausgetragen würden, antwortete Geressy: „Nein. Es kommt nach wie vor auf Führung und Menschen an.“ Drohnen, künstliche Intelligenz, autonome Systeme und intelligente Netzwerke würden zwar eine wichtigere Rolle spielen, aber Kriege würden letztlich von Menschen gewonnen, nicht von Maschinen. Technologie könne einen Vorteil bringen, aber sie könne Mut, Urteilsvermögen, Disziplin und den Willen zum Kampf nicht ersetzen.
Strategische Prioritäten der USA
Zu den strategischen Prioritäten der USA – Iran, Ukraine, China oder Kuba – sagte Geressy, die Nationale Verteidigungsstrategie lege die Prioritäten fest. Doch die Entwicklungen in der Welt verliefen nicht immer nach Plan. Es sei die Aufgabe, Streitkräfte zu unterhalten, die auf jede Herausforderung vorbereitet seien. Die USA verfügten über umfangreiche militärische Kapazitäten und seien auf eine Vielzahl von Notfällen vorbereitet. Das Ministerium überprüfe kontinuierlich die Bestände und den Bedarf, um sicherzustellen, dass die Streitkräfte über die erforderlichen Ressourcen verfügten.
Abschließend bedankte sich Geressy für das Interview und betonte die unerschütterliche Unterstützung der USA für die NATO und Europa.



