Historische Verhandlungen enden ergebnislos
Die hochrangigen direkten Verhandlungen zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran sind in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad ohne greifbares Ergebnis zu Ende gegangen. Nach intensiven Marathon-Gesprächen, die sich bis in die frühen Morgenstunden des Sonntags hinzogen, konnte keine Einigung zwischen den beiden Konfliktparteien erzielt werden.
Vance kehrt mit leerem Ergebnis zurück
US-Vizepräsident JD Vance verließ die Verhandlungen am frühen Sonntagmorgen und bestieg ein Flugzeug in Richtung USA. In einer Pressekonferenz vor seiner Abreise erklärte Vance, dass bei den 21-stündigen Gesprächen keine Übereinkunft erreicht werden konnte. „Wir haben klargemacht, wo unsere roten Linien liegen und in welchen Punkten wir bereit sind, dem Iran entgegenzukommen“, sagte der US-Vize, ohne jedoch die genauen Knackpunkte im Detail zu benennen.
Vance betonte, dass die USA bislang keine grundlegende Verpflichtung des Irans gesehen hätten, langfristig auf die Entwicklung von Atomwaffen zu verzichten. „Wir hoffen, dass wir es noch sehen werden“, fügte er hinzu. Während der gesamten Verhandlungen sei er in ständigem Kontakt mit US-Präsident Donald Trump gewesen.
Zentrale Streitpunkte bleiben ungelöst
Laut dem iranischen Außenamtssprecher Ismail Baghai konzentrierten sich die Verhandlungen auf mehrere zentrale Themen:
- Die Kontrolle der strategisch wichtigen Straße von Hormus
- Die umstrittene Atomfrage
- Kriegsreparationen und die Aufhebung von Sanktionen
- Ein Ende des Krieges in der gesamten Region
Baghai erklärte auf der Plattform X, dass bis in den Sonntag hinein intensive Verhandlungen stattgefunden hätten, bei denen zahlreiche Nachrichten und Texte zwischen den beiden Seiten ausgetauscht worden seien. Der Erfolg des diplomatischen Prozesses hänge jedoch „von der Ernsthaftigkeit und dem guten Willen der Gegenseite ab, von überzogenen und unzulässigen Forderungen abzusehen“, schrieb der iranische Sprecher.
Historischer Kontext der Gespräche
Die Verhandlungen in Islamabad gelten trotz ihres Scheiterns als historisch bedeutsam. Es handelte sich laut der New York Times um das höchstrangige direkte Treffen zwischen US-amerikanischen und iranischen Beamten seit der Islamischen Revolution im Jahr 1979. Die Gespräche fanden vor dem Hintergrund eines seit dem 28. Februar andauernden Krieges statt, der sich zu einem regionalen Konflikt ausgeweitet hatte.
Am vergangenen Mittwoch hatten sich beide Seiten auf eine zweiwöchige Waffenruhe geeinigt, die US-Präsident Trump an die Öffnung der Straße von Hormus geknüpft hatte. Die Verhandlungsdelegationen wurden von US-Vizepräsident JD Vance und dem iranischen Parlamentspräsidenten Mohammed Bagher Ghalibaf geleitet, die sich zu Beginn der Gespräche sogar die Hand geschüttelt hatten.
Militärische Spannungen parallel zu Verhandlungen
Parallel zu den diplomatischen Bemühungen eskalierte die militärische Situation in der Region. Das US-Regionalkommando für den Nahen Osten (Centcom) gab bekannt, dass zwei Zerstörer die Straße von Hormus passiert hätten, um einen Marineeinsatz zur Räumung von Seeminen zu beginnen. Centcom-Kommandeur Admiral Brad Cooper erklärte, man habe mit der Einrichtung einer neuen Passage begonnen, um den freien Warenverkehr zu fördern.
Die iranischen Revolutionsgarden wiesen diese Berichte umgehend zurück und dementierten die Durchfahrt amerikanischer Schiffe durch die strategische Meerenge. In einer scharfen Erklärung hieß es, jeder Versuch von Militärschiffen, die Straße zu passieren, werde auf entschiedenen Widerstand treffen. Die Durchfahrt sei gemäß den geltenden Bestimmungen ausschließlich zivilen Schiffen gestattet.
Ungewisse Zukunft der diplomatischen Bemühungen
Die iranische Nachrichtenagentur Fars berichtete unter Berufung auf eine mit den Verhandlungen vertraute Quelle, dass Teheran keine weitere Verhandlungsrunde plane. US-Vizepräsident Vance hinterließ zwar einen Vorschlag für den Iran, der ein endgültiges Angebot darstellen soll, doch ob und wann es zu weiteren Gesprächen kommen wird, bleibt völlig unklar.
Präsident Trump äußerte sich unterdessen gleichgültig zu einem möglichen Abkommen. „Wir gewinnen so oder so“, erklärte er vor Journalisten. „Wir haben sie militärisch besiegt.“ Diese Aussage unterstreicht die tiefen Gräben zwischen den beiden Nationen, die trotz historischer Verhandlungsbemühungen weiterhin bestehen bleiben.



