Ukraine wird zur Drohnenmacht: Eigenproduktion über 80 Prozent
Ukraine: Eigenproduktion von Militärgerät über 80 Prozent

Die Ukraine hat sich innerhalb weniger Jahre vom Bittsteller zu einer führenden Drohnenmacht entwickelt. Vor der russischen Invasion stellte das Land keinen einzigen Schuss Munition her. Heute produziert es über 80 Prozent seines Militärgeräts selbst. Dieser Wandel basiert auf Innovation und Wettbewerb.

Vom Bittsteller zum Innovator

Lange war die Ukraine auf westliche Waffenlieferungen angewiesen. Doch die Eigenproduktion von Langstreckendrohnen hat das geändert. Ukrainische Drohnen greifen Ziele tief in Russland an – Fabriken, Raffinerien, Waffenlager. Militäranalysten sehen eine neue Kriegsphase. Selbst Russlands Präsident Wladimir Putin musste einräumen, dass die Flugabwehr Moskau nicht mehr zuverlässig schützt.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj betonte in einem Brief an US-Präsident Donald Trump, dass Putins ballistische Raketen der einzige Vorteil auf dem Schlachtfeld seien. Gleichzeitig zeigte er sich selbstbewusst: Die Ukraine verfügt über eine weitgehend autarke Rüstungsindustrie.

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Eigenproduktion steigt rasant

Seit Anfang 2024 stellt die Ukraine über 80 Prozent ihres Militärgeräts selbst her. Im September lag der Anteil noch bei 40 Prozent. Botschafter Oleksii Makeiev erklärte, man sei nicht mehr dringend auf den deutschen Taurus angewiesen. Ukrainische Langstreckendrohnen verursachen Schäden in Russland – zu einem Bruchteil der Kosten eines Taurus.

Die Ukraine hat sich vom Bittsteller zum Innovator gewandelt. Militärs und Ökonomen führen dies auf Erfindungsreichtum und Zugzwang zurück. Vor dem Krieg litt die Rüstungsindustrie unter ineffizienten Staatskonzernen. Der Angriffskrieg brachte eine Schocktherapie.

Wettbewerb als Treiber

In Russland dominieren staatliche Konzerne, in der Ukraine setzt man auf Marktprinzipien. Die Plattform Brave1 fungiert als Online-Marktplatz für Drohnen und andere Waffen. Kommandeure kaufen direkt für ihre Einheiten ein. Hersteller stehen im Wettbewerb, was Innovation fördert. Soldaten testen Prototypen unter Kriegsbedingungen. Modelle, die versagen, werden nicht erneut gekauft.

Taras Tymotschko vom Projekt Dronefall vermittelt zwischen Herstellern und Armee. Er setzt auf preiswerte Abfangdrohnen gegen russische Shaheds. Beschwerden führen zu sofortigen Anpassungen. Manche Firmen wuchsen von Garagenprojekten zu Großunternehmen, andere verschwanden.

Europäische Partner

Europa investiert in die ukrainische Rüstungsindustrie. Das Programm Built with Ukraine fördert Joint Ventures. Die dänische Regierung unterstützt eine Raketentreibstofffabrik der Firma Firepoint. Deren Drohne FP-1 trifft Ziele im russischen Hinterland. Allerdings gibt es Korruptionsvorwürfe gegen Firepoint. Die ukrainischen Antikorruptionsbehörden prüfen den Verdacht. Dennoch halten westliche Investoren an Kooperationen fest.

Die Vorteile überwiegen: Tests unter Kriegsbedingungen, schnelles Feedback und niedrige Produktionskosten. Wie Reiner Perau von der Auslandshandelskammer betont: „Jedes europäische Rüstungsunternehmen, das etwas auf sich hält, steigt jetzt in den ukrainischen Markt ein.“

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