Kommentar: Trumps vulgäre Rhetorik als Spiegelbild einer verlorenen europäischen Mentalität
Der US-Präsident Donald Trump (79) hat sich erneut mit einer schroffen und vulgären Nachricht an das iranische Regime gewandt. Auf seinem Portal Truth Social drohte er am Sonntag mit der Zerstörung aller Kraftwerke und Brücken, falls seine Forderungen nicht erfüllt würden. Seine Wortwahl war dabei unmissverständlich derb: „Öffnet die verfickte Meerenge, ihr verrückten Bastarde, sonst werdet ihr in der Hölle leben – PASST NUR AUF!“
Europäische Reaktionen: Entwürdigung oder Nervenzusammenbruch?
In Europa wurde diese Schimpftirade vielfach als Zeichen der absoluten Entwürdigung des Präsidentenamtes interpretiert. Viele Experten, Politiker und Journalisten sahen darin einen möglichen Nervenzusammenbruch oder ein Signal der totalen Verzweiflung. Die vorherrschende Meinung lautet: So darf ein Staatschef nicht schreiben und nicht sprechen.
Doch Filipp Piatov, Vize der Politikredaktion, liest die Situation grundlegend anders. Für ihn ist die vulgäre Nachricht an die islamistischen Machthaber im Iran Ausdruck einer Mentalität, die in Europa längst verloren gegangen ist und deshalb auf viele Europäer so verstörend wirkt. Es handelt sich um die Mentalität, nicht klein beizugeben, sondern entschlossen gewinnen zu wollen.
Kontext: Symbolträchtiger Erfolg vor der Nachricht
Trump verfasste seinen Beitrag nicht in einem Moment der Niedergeschlagenheit, sondern unmittelbar nach einem der symbolträchtigsten Erfolgsmomente des Iran-Krieges. Nur wenige Minuten zuvor hatten amerikanische Spezialkräfte einen verwundeten US-Offizier aus dem Feindesland gerettet. Diese Operation demonstrierte dem iranischen Regime auf brutale Weise, dass es nicht einmal in der Lage ist, einen einzelnen amerikanischen Soldaten auf eigenem Territorium zu schützen.
Es war eine Mission, die mit brachialer Gewalt, ohne Rücksicht auf Kosten, unter größtem Risiko und mit unvorstellbarer Expertise durchgeführt wurde. Kurzum: Eine Operation, wie sie kein europäischer Staat in dieser Form gewagt hätte.
Europäische Politik: Die Kultur des Nicht-Gewinnen-Könnens
Seit Jahren erklären europäische Staats- und Regierungschefs fast ausschließlich, warum bestimmte Feinde nicht besiegt werden können. Die Argumentationslinien sind bekannt:
- Russland könne gegen die Ukraine nicht verlieren.
- Die Hamas- und Hisbollah-Terroristen ließen sich militärisch nicht besiegen.
- Das iranische Regime könne man vermeintlich gar nicht stürzen und werde mit jedem Verlust nur stärker und radikaler.
Piatov glaubt nicht, dass diese Überzeugungen echt sind. Vielmehr dienen sie als bequeme Begründung für politisches Nichthandeln. Wenn Russland angeblich nicht besiegt werden kann, muss man der Ukraine auch nicht ausreichend Waffen liefern – obwohl die tapferen Ukrainer dem Gegner bereits mehr als eine Niederlage zugefügt haben. Wenn das iranische Regime unbesiegbar erscheint, muss man sich erst gar nicht mit ihm anlegen – obwohl in der Vergangenheit bereits ganz andere, als stabil geltende Regimes gestürzt wurden.
Historischer Vergleich: Churchill versus moderne Zurückhaltung
Europa hatte auch einmal andere Anführer. Der britische Premierminister Winston Churchill hatte keinen perfekten Plan, wie er Nazi-Deutschland besiegen könnte. Dennoch erklärte er nach dem Überfall auf die Sowjetunion entschlossen: „Ich werde Hitler und jede Spur des NS-Regimes vernichten.“ Er werde „niemals mit Hitler oder irgendeinem seiner Gefolgsleute verhandeln“ und bezeichnete ihn als „ein Monster der Bosheit, unersättlich in seiner Gier nach Blut und Beute“.
Im Angesicht des iranischen Regimes, das erst vor wenigen Monaten Zehntausende seiner freiheitsliebenden Bürger abschlachtete, seit Jahren den gesamten Nahen Osten terrorisiert und insgeheim nach Atomwaffen trachtet, ist Piatov derbe Sprache und Wagemut deutlich lieber als die resignative Überzeugung der Verängstigten, es bringe ja eh alles nichts.
Die Rauchschwaden über Teheran – seit dem 28. Februar führen die USA und Israel einen Krieg gegen das iranische Regime – symbolisieren diesen Konflikt zwischen amerikanischem Durchsetzungswillen und europäischer Zurückhaltung. Während die einen handeln, erklären die anderen vor allem, warum Handeln unmöglich sei.



