Selenskyj zählt Russlands 15 verpasste Fristen zur Donbass-Eroberung auf
Selenskyj zählt 15 verpasste russische Fristen auf

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat die russische Führung öffentlich verspottet, indem er 15 verpasste Fristen zur Eroberung des Donbass auflistete. Mehr als zehn Jahre nach der Annexion der Krim und über vier Jahre nach Beginn des Angriffskriegs kontrolliert Russland noch immer nicht das gesamte Industriegebiet im Osten der Ukraine. Laut dem US-Institut für Kriegsstudien (ISW) fehlen noch 5.305 Quadratkilometer in der Region Donezk.

Selenskyj: Kreml leidet unter Wahnvorstellung

In einer Mitteilung vom 29. Juni schrieb Selenskyj, die politische Führung Russlands sei vom Donbass „besessen“. Er führte aus: „Schon 15-mal hatten sie diese Wahnvorstellung.“ Gemeint sind die immer wieder verschobenen Fristen zur vollständigen Eroberung. Der Präsident listete die Termine chronologisch auf: Für 2022 nannte er Fristen bis zum 31. März, 9. Mai, 1. Juni, 15. September und 31. Dezember. 2023 setzte Putin zwei weitere Fristen: den 1. März und den 31. Dezember. 2024 folgten zwei weitere. 2025, als Russland versuchte, US-Präsident Trump von einem angeblichen Zusammenbruch der Ukraine zu überzeugen, gab es drei Fristen: 1. September, 1. Dezember und 25. Dezember. In diesem Jahr verschob Russland die Frist erneut – zunächst auf den 31. März, dann auf den 1. September, und nun gilt der 31. Dezember.

ISW: Eroberung bis Jahresende sehr unwahrscheinlich

Ob alle von Selenskyj genannten Fristen tatsächlich offiziell galten, ist unklar. Der Kreml hat die Kontrolle des Donbass jedoch wiederholt als Mindestziel bezeichnet. Experten gehen davon aus, dass Russland nach einer vollständigen Besetzung des Donbass in Verhandlungen eintreten könnte, wobei Putin langfristig die vollständige Kontrolle der Ukraine anstrebe. Das ISW bewertet die Chancen für eine Eroberung bis zum 31. Dezember als gering: „Es ist sehr unwahrscheinlich, dass die russische Armee den restlichen Teil der Region Donezk innerhalb der neuen Frist erobern wird.“ Stattdessen führten solche Fristen zu geschönten Berichten, in denen Eroberungen gemeldet würden, die nie stattfanden.

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Festungsstadt Kostjantyniwka könnte fallen

Unabhängige Militärbeobachter halten es für möglich, dass die Stadt Kostjantyniwka im Donbass in den Sommermonaten fallen könnte. Sie ist die südlichste der vier sogenannten „Festungsstädte“, in denen die Ukrainer eine große Verteidigung aufgebaut haben. Fallen diese Städte, dürfte der Donbass nicht mehr zu halten sein. Die Kriegskarte des militärnahen Blogs „DeepState“ zeigt seit Jahresbeginn, dass die russische Armee immer näher an Kostjantyniwka heranrückt. Die russische Armee steht unter Druck, ist aber noch nicht geschlagen. Ukrainische Drohnenangriffe treffen die Versorgungswege im Hinterland und haben in Russland zu einer Treibstoffkrise für die Zivilbevölkerung geführt.

Selenskyjs Spitze als Signal an Verbündete

Die ukrainischen Luftattacken dienen auch dazu, das Bild von Stärke gegenüber westlichen Verbündeten und der eigenen Bevölkerung zu vermitteln. So ist auch Selenskyjs jüngste Spitze gegen den Kreml wegen der vielen verschobenen Fristen zu verstehen. (mit dpa)

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