Kreml-Sprecher spricht von „echtem Krieg“
Mehr als vier Jahre lang bezeichnete Russlands Präsident Wladimir Putin seinen Angriffskrieg gegen die Ukraine als „Militärische Spezialoperation“. Das Wort Krieg verwendete er nur selten – und dann meist in Bezug auf Russlands Kampf gegen den gesamten Westen. Doch nun hat Kreml-Sprecher Dmitri Peskow im Interview mit Pavel Zarubin für den staatlichen russischen Nachrichtendienst Vesti plötzlich eine andere Wortwahl getroffen: „Es herrscht Krieg – ein echter Krieg“, so Putins Sprecher.
Schuldzuweisung an den Westen
Die Schuld für diese offizielle Sprachänderung gibt Peskow dem Westen. „Wissen Sie, warum Krieg? Weil alles als Militärische Spezialoperation begonnen hat. Inzwischen geht es als Krieg weiter, weil Berlin, Paris, Den Haag, Oslo und leider auch Washington hinter Kiew stehen“, erklärte er. Der Kreml-Sprecher fügte hinzu, dass westliche Länder dabei helfen würden, „über ihre Satelliten Ziele zu erfassen, und unterstützen die Lenkung ausländischer Waffen auf unsere Ziele mithilfe ihrer gesamten Infrastruktur.“
Ukrainische Angriffe treffen Russlands Wirtschaft
Die Ukraine greift immer häufiger russische Öl- und Gasanlagen an und trifft Russland damit im Herzen seiner Kriegswirtschaft. Der Kreml kann seinen brutalen Krieg nicht mehr verstecken, was ein weiterer Grund für die offizielle Anerkennung des „echten Krieges“ sein dürfte. Die Langstreckendrohnen der Ukraine haben direkte Auswirkungen auf das tägliche Leben in Russland: An Tankstellen im ganzen Land ist der Sprit knapp, es bilden sich kilometerlange Schlangen. Zudem kommt es immer häufiger zu Stromausfällen. Besonders die seit 2014 völkerrechtswidrig besetzte Krim-Halbinsel leidet unter den heftigen Angriffen auf Militärstützpunkte, Raffinerien und Brücken. Der Nachschub an der Front im Donbass steht praktisch unter Dauerbeschuss.
Russische Angriffe auf die Ukraine
Doch auch Moskau attackiert die Ukraine täglich. Laut dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj setzte Russland im Laufe der Woche rund 2200 Angriffsdrohnen, mehr als 1730 gelenkte Fliegerbomben und 106 Raketen verschiedener Typen gegen die Ukraine ein. Nahezu täglich stehen Städte wie Sumy, Saporischschja, Cherson, Charkiw und Dnipro sowie Grenz- und Frontgemeinden unter Beschuss. Insgesamt wurden innerhalb einer Woche mehr als 70 Menschen durch russische Angriffe getötet, Hunderte wurden verletzt.



