Putins Ex-Ministerin lebt als Selbstversorgerin in russischer Provinz
Putins Ex-Ministerin lebt als Selbstversorgerin in Russland

Es wirkt wie das Postkartenleben im russischen Nirgendwo: Karin Kneissl (61), Österreichs frühere Außenministerin, öffnet zwei russischen Komikern die Tür ihres Holzhäuschens in der russischen Provinz – und zeigt ihr neues Leben zwischen gackernden Hühnern, streunenden Hunden und den Erinnerungsfotos mit Russlands Machthaber Wladimir Putin. Die Ex-Ministerin, die früher im Luxus schwelgte: heute Selbstversorgerin von Putins Gnaden? Das klingt wie ein schlechter Scherz.

Wer sind die Besucher?

Tatsächlich stammt der Videoclip von zwei Männern, die in Russland einen zweifelhaften Ruf haben: „Wowan und Lexus“. Offiziell treten die beiden als Komiker-Duo und „Prankster“ auf. Mit Scherzanrufen versuchten sie bereits, Altkanzlerin Angela Merkel (71, CDU) oder Emmanuel Macron (48) hereinzulegen. Inoffiziell stehen Wladimir Kusnezow und Alexej Stoljarow seit Jahren im Verdacht, weit mehr als bloße Spaßmacher zu sein. Geheimdienstexperten sehen in ihnen kremlnahe Akteure, die gezielt Inhalte produzieren, welche russische Narrative stützen. Immer wieder wird auch eine Nähe zum Kreml-Machtapparat und zum FSB, dem russischen Inlandsgeheimdienst, vermutet. Beide bestreiten das.

Kneissls neues Leben

Dass dieses Duo jetzt die ehemalige österreichische Spitzenpolitikerin in ihrem neuen, einfachen Alltag in Russland besucht, erregt auch deshalb Misstrauen. Kneissl wirkt betont gelassen, serviert Kaffee und schildert ihren Neustart in Putins Reich: Sie habe Europa „nur mit zwei Hunden und einem Koffer“ verlassen, sagt sie – nicht ahnend, dass es vielleicht für immer sein könnte. Manche hätten geglaubt, sie habe „den Verstand verloren“, als sie aufs russische Land zog – dennoch bereue sie nichts.

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Kneissl schildert ihre Auswanderung als eine Erzählung, die ideologisch aufgeladen ist: die verlassene Politikerin, die im Westen angeblich scheitert und im russischen Dorf ein einfaches Glück findet. Bilder, die in Moskau gern gesehen werden. Besonders auffällig: Kneissl spricht im Video emotional über ihre Auswanderung im Jahr 2023 – schildert Verzweiflung, schlaflose Nächte und den Druck aus Europa. Die Ministerin hatte für Schlagzeilen gesorgt, weil sie zu ihrer Hochzeit im Jahr 2018 auch Putin einlud. Der tauchte tatsächlich auf. Und tanzte sogar medienwirksam mit Kneissl.

Putins Schutz und die Flucht aus Europa

Seitdem soll sie unter Putins Schutz stehen. Die parteilose Kneissl war bis 2019 Teil der rechtspopulistisch geführten FPÖ-Regierung. Nach dem Bruch der Regierung und ihrem Ausscheiden aus der Politik verließ sie 2020 Österreich – zunächst in den Libanon. Von dort soll ihr der Kreml 2023 bei der Auswanderung nach Russland geholfen haben. Sogar ihre Tiere durften mit umziehen. Kneissl bekam eine Anstellung an der Universität in Sankt Petersburg.

Sie erzählt, ihr Vermieter sei damals gezwungen worden, ihr die Wohnung zu kündigen. „Ich war komplett verzweifelt. Ich habe mir gedacht: Wo kann ich überhaupt noch leben? Zehn Nächte lang habe ich nicht geschlafen“, behauptet Kneissl. Wegen ihres Hundes habe sie beschlossen, nicht aufzugeben, und sich gesagt: „Gut, wir können nicht mehr in Europa leben.“ Am Ende die Botschaft: Europa hat sie verraten – Russland hat sie aufgenommen.

Selbstversorgerin im Grünen

In ihrer neuen Welt inszeniert sich Kneissl demonstrativ als Selbstversorgerin im Grünen: Sie spricht auffallend liebevoll über ihre Hunde, Katzen, Ponys und Hühner. Die Holzhütte ist schlicht, fast schon betont bescheiden. Eier kommen aus dem eigenen Hühnerstall, das Bild der unabhängigen Provinzbewohnerin wird sorgfältig gepflegt. Natürlich fehlt auch die politische Botschaft nicht: Kneissl wünscht sich Frieden, „keine Drohnen, keine Bomben“ und eine Zukunft, in der Reisen wieder möglich sei. „Reisen ist wichtig“, so die frühere Außenministerin. Warum sie das sagt: Für viele russische Staatsbürger sind Visa für zahlreiche Länder seit dem Angriffskrieg auf die Ukraine stark eingeschränkt oder nur mit großen Hürden zu bekommen.

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