Kremlchef Wladimir Putin hat die im Westen verbreiteten Warnungen vor einer russischen Gefahr und einem womöglich baldigen Angriff Moskaus auf ein Nato-Land mit Nachdruck als „Unsinn” zurückgewiesen. „Aber meiner Meinung nach ist es nicht nur Unsinn – es ist eine bewusste Provokation”, sagte Putin bei einem Treffen mit Vertretern großer internationaler Nachrichtenagenturen, darunter die Deutsche Presse-Agentur. Es werde gezielt eine Bedrohungslage heraufbeschworen, „die in Wirklichkeit gar nicht existiert”, sagte der Präsident.
Ziel sei es, „die Bevölkerung der eigenen Länder dazu zu zwingen, mehr Geld für die Verteidigung auszugeben”, sagte Putin. Er sei verwundert, dass ein Teil der Bevölkerung in den europäischen Ländern diesen Erzählungen glaube. „Es wäre lächerlich, wenn es nicht so traurig wäre”, sagte er. „Jeder, der denkt, dass Russland das Territorium der Nato überfallen könnte, sollte sich die Frage stellen: Wozu?”, so Putin. Das westliche Bündnis gilt Russland militärisch überlegen.
Den Beteuerungen Putins, er plane keine Attacken gegen Nato-Gebiet, wird im Westen immer wieder misstraut. Der Kremlchef hatte auch vor Beginn der russischen Invasion in der Ukraine erklären lassen, dass Moskau keinen Krieg plane. Der Angriff begann am 24. Februar 2022.
Putin äußerte sich am Rande des Wirtschaftsforums in St. Petersburg. Er betonte, dass Russland kein Interesse an einer Eskalation mit der Nato habe. Die wiederholten Warnungen aus westlichen Hauptstädten seien unbegründet und dienten lediglich dazu, die eigenen Militärausgaben zu rechtfertigen. Der russische Präsident forderte die westlichen Regierungen auf, die Vorwürfe zu überdenken und auf eine konstruktive Zusammenarbeit zu setzen.
Die Äußerungen Putins kommen zu einer Zeit, in der die Spannungen zwischen Russland und der Nato weiterhin hoch sind. Seit dem Einmarsch in die Ukraine hat die Nato ihre Ostflanke verstärkt und neue Sanktionen gegen Moskau verhängt. Putin sieht darin eine aggressive Politik des Westens, die Russland in die Enge treiben solle. Er warnte davor, dass eine weitere militärische Annäherung der Nato an die russischen Grenzen zu einer gefährlichen Konfrontation führen könne.



