Wien. Der Tech-Milliardär Peter Thiel, bekannt als Mitgründer des Überwachungssoftware-Unternehmens Palantir, sorgt für Aufsehen in der österreichischen Hauptstadt. Eigentlich sollte er bei den Wiener Festwochen an einer Diskussionsveranstaltung teilnehmen. Doch daraus wird nichts: Die Veranstalter haben ihn wieder ausgeladen. Grund sind massive Proteste von Künstlern und anderen Beteiligten, die mit Absagen ihrer Auftritte drohten.
Künstler drohten mit Absage
Mehrere Festival-Künstler und -Beteiligte hatten angekündigt, ihre Teilnahme an den Festwochen zu verweigern, falls Thiel auftreten würde. Diese Absagen hätten die Festwochen „in einem untragbaren Umfang“ geschwächt, erklärte die Geschäftsführung. Deshalb habe man sich entschlossen, die Debatte mit Thiel abzusagen. Die Festwochen werden von der Stadt Wien finanziert.
Kulturstadträtin äußert Verständnis
Wiens Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler zeigte Verständnis für den Unmut. In der Zeitung „Der Standard“ sagte sie: „Die Einladung von Peter Thiel führt durchaus berechtigt zu großem Unmut in der Bevölkerung.“ Auch andere kritische Stimmen hätten zuletzt zugenommen, hieß es von den Festwochen.
Intendant Milo Rau verteidigt Entscheidung
Der Intendant der Festwochen, Milo Rau, äußerte sich zu der Absage: „Ich nehme die kritischen Stimmen sehr ernst. Aus meiner Verantwortung für das Gesamtprogramm musste ich mich leider gegen die geplante Veranstaltung mit Peter Thiel entscheiden, obwohl ich diese extrem spannend und im Rahmen der ‚Republic of Gods‘ thematisch konsequent gefunden hätte.“ Ein Festhalten an der Veranstaltung hätte im Widerspruch zu seiner Wertschätzung für das künstlerische Programm und alle Beteiligten gestanden.
Politische Reaktionen: ÖVP und FPÖ kritisieren Ausladung
Die Ausladung von Thiel rief umgehend Kritik von der ÖVP und der FPÖ hervor. Die FPÖ fordert sogar die Absetzung von Intendant Rau. Die Debatte zeigt die tiefe Spaltung in der Wiener Kultur- und Politlandschaft.
Thiels antidemokratische Ansichten
Peter Thiel lehnt die liberale Demokratie ab. In Vorträgen warnte er jüngst vor dem „Antichristen“ – wahlweise die Europäische Union oder Klimaaktivistin Greta Thunberg. Er mischt religiöses und mystisches Vokabular mit libertären und postliberalen Positionen. Seine Kontakte reichen bis ins Weiße Haus.
Die Kontroverse wirft grundsätzliche Fragen auf: Müssen wir uns mit den kruden Ansichten eines Tech-Milliardärs auseinandersetzen? Und muss er dafür auf eine Bühne eingeladen werden? Oder ist das ohne Erkenntnisgewinn und sogar gefährlich? Diese Fragen spalten Wien.



