Orbáns Nervenzusammenbruch im Wahlkampf: Experten sehen Machtwechsel in Ungarn
Orbán verliert Nerven - Experten sehen Machtwechsel in Ungarn

Premier Orbán verliert die Fassung: Nervöser Ausraster im Wahlkampf-Endspurt

Im heißen Endspurt des ungarischen Wahlkampfs erleben die Bürger ihren langjährigen Premierminister Viktor Orbán so nervös und angespannt wie nie zuvor. Bei einem Auftritt in der westungarischen Stadt Győr mit ihren 130.000 Einwohnern am vergangenen Freitag zeigte der 62-jährige Regierungschef eine bisher unbekannte Seite.

Buhrufe lösen ungewöhnlichen Gefühlsausbruch aus

Gegendemonstranten hatten sich unter die Menge gemischt und den Premier lautstark ausgebuht. Daraufhin verlor Orbán die Contenance und reagierte mit einem emotionalen Ausraster, der in dieser Form noch nicht beobachtet wurde. „Ihr tanzt nach der ukrainischen Pfeife und steht nicht zu den Ungarn“, brüllte er den Protestierenden entgegen. „Ihr wollt eine pro-ukrainische Regierung, die den Ungarn das Geld aus der Tasche zieht! Das ist die Wahrheit!“

Solche öffentlichen Gefühlsausbrüche sind für den erfahrenen Politiker Orbän völlig untypisch. Seit Jahren inszeniert er sich als die sichere Wahl und vermittelt das Bild eines unerschütterlichen Staatsmannes. Doch nun strahlt er weder Sicherheit noch innere Ruhe aus, wie Beobachter konstatieren.

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Experten erkennen Wendepunkt im Wahlkampf

Politikexperten sehen in diesem Vorfall einen möglichen Wendepunkt im ungarischen Wahlkampf. Gábor Török, Politologe an der eigentlich regierungsnahen Corvinus-Universität Budapest, erklärte gegenüber dem Portal „hvg.hu“: „Wenn die verbleibenden zwei Wochen bis zur Wahl so verlaufen, verheißt das nichts Gutes für die Regierung.“ Der Ausraster könnte das Image des Premiers bei unentschlossenen Wählern nachhaltig beschädigen.

Orbán setzt im Wahlkampf voll auf eine anti-ukrainische Rhetorik und warnt davor, dass Ungarn in den Ukraine-Krieg hineingezogen werden könnte. Seine Wahlkampfplakate zeigen neben seinem Porträt das Bild von Ukraine-Präsident Wolodymyr Selenskyj mit der Überschrift „Gefahr“ – ein deutliches Signal seiner Kampagne.

Opposition sieht gebrochenen Mann

Oppositionschef Péter Magyar von der Tisza-Partei kommentierte den Vorfall umgehend in den sozialen Medien. Der 45-Jährige schrieb auf Englisch, Orbán habe „die Kontrolle verloren“. „Obwohl er mein politischer Gegner ist, ist es dennoch traurig mitanzusehen, wie der Premierminister mit seinen inneren Dämonen kämpft – ein gebrochener Mann“, so Magyar. Er wies Orbáns Vorwürfe zurück: Niemand wolle eine pro-ukrainische Regierung, sondern lediglich ein funktionierendes Land.

Die Opposition um Péter Magyar warnt vor den Konsequenzen der aktuellen Regierungspolitik. Sie befürchtet einen Ausschluss Ungarns aus der Europäischen Union und macht vor allem die Korruption unter der Orbán-Regierung zum zentralen Wahlkampfthema.

Machtwechsel zeichnet sich ab

Aktuelle Umfragen sehen Péter Magyar für die Parlamentswahl am 12. April deutlich vorne. Damit droht der Fidesz-Partei von Viktor Orbán nach 14 Jahren ununterbrochener Regierungszeit mit Zweidrittelmehrheit im Parlament der Machtverlust. Seit dem Jahr 2010 hat Orbán Ungarn geprägt wie kein anderer Politiker – doch nun scheint seine Ära möglicherweise zu Ende zu gehen.

Der ungewöhnliche Ausraster in Győr könnte als Symbol für diese Wende in die ungarische Politikgeschichte eingehen. Ein Premier, der bisher als unerschütterlich galt, zeigt plötzlich Risse in seiner Fassade – genau zu dem Zeitpunkt, da die Wähler über die Zukunft ihres Landes entscheiden müssen.

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