Oppositioneller in Venezuela nach Freilassung verschleppt
In Venezuela herrscht auch Wochen nach der Gefangennahme des ehemaligen Diktators Nicolás Maduro durch die USA weiterhin politisches Chaos. Am Sonntag wurde der bekannte Oppositionelle Juan Pablo Guanipa nach seiner Haftentlassung offenbar von schwer bewaffneten Männern verschleppt. Dies berichtete die venezolanische Friedensnobelpreisträgerin María Corina Machado auf dem Onlinedienst X.
Gewaltsame Entführung in Caracas
Der Vorfall ereignete sich in der Wohnsiedlung Los Chorros in Venezuelas Hauptstadt Caracas. Laut Machado fuhren die mutmaßlichen Entführer in vier Fahrzeugen vor und nahmen Guanipa gewaltsam mit. Die Männer trugen Zivilkleidung und blieben nicht identifiziert. Guanipa war erst am gleichen Tag aus dem Gefängnis entlassen worden, wo er als politischer Gefangener der Maduro-Regierung gesessen hatte.
"Wir fordern seine sofortige Freilassung", erklärte Machado in ihrem Beitrag. Guanipas Sohn Ramón forderte ebenfalls ein Lebenszeichen und die unverzügliche Freilassung seines Vaters. Die Partei Primero Justicia, der Guanipa angehört, beschuldigte "repressive Organe der Diktatur" der Entführung.
Hintergrund der politischen Krise
Juan Pablo Guanipa war gemeinsam mit zwei weiteren Oppositionspolitikern freigelassen worden. Kurz nach seiner Freilassung hatte er in einem Interview mit der Nachrichtenagentur AFP die venezolanische Regierung aufgefordert, das Ergebnis der Präsidentschaftswahl von 2024 anzuerkennen. Nach allgemeiner Einschätzung gewann damals der Oppositionspolitiker Edmundo González Urrutia die Wahl gegen den linksnationalistischen Präsidenten Maduro.
Die Behörden erklärten jedoch Maduro zum Sieger, was die Opposition als Wahlbetrug bezeichnete. In der Folge kam es zu gewaltsamen Protesten mit mindestens 28 Toten und über 2400 Festnahmen. González Urrutia floh daraufhin nach Spanien ins Exil.
Massnahmen der Übergangsregierung
Unter dem Druck der USA hatte Venezuelas Übergangspräsidentin Delcy Rodríguez im vergangenen Monat die Entlassung politischer Gefangener angekündigt. In der vergangenen Woche verkündete sie eine Massenamnestie für Häftlinge, die wegen "politischer Gewalt" einsitzen. Das entsprechende Gesetz soll den Zeitraum von 1999 bis heute umfassen und am Dienstag in Kraft treten.
Nach Angaben der Nichtregierungsorganisation Foro Penal sitzen in Venezuela jedoch noch immer über 700 politische Gefangene in Haft. Nach der Entführung Maduros durch die USA übernahm Rodríguez vorübergehend das Präsidentenamt. Maduro selbst befindet sich derzeit in New York in Haft, wo ihm wegen "Drogenterrorismus" der Prozess gemacht werden soll.
Die internationale Gemeinschaft beobachtet die Entwicklungen in Venezuela mit großer Sorge. Die erneute Verschleppung eines oppositionellen Aktivisten kurz nach seiner Freilassung wirft ernste Fragen über die Stabilität des Landes und den Schutz politischer Gefangener auf.



