Russland intensiviert Angriffe auf Ukraine an Ostermontag
In der Nacht zum Ostermontag hat Russland die Ukraine erneut mit heftigen Angriffen überzogen. Bei nächtlichen Attacken auf Energieanlagen in mehreren Regionen sowie die südukrainische Hafenstadt Odessa wurden ukrainischen Angaben zufolge mindestens drei Menschen getötet, darunter tragischerweise ein Kind. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bestätigte zudem 16 weitere Verletzte.
Massiver Drohneneinsatz und zerstörte Energieinfrastruktur
Russland habe bei den nächtlichen Angriffen mehr als 140 Drohnen abgefeuert, erklärte Selenskyj in Onlinediensten. Diese hätten unter anderem Energieanlagen in den Regionen Sumy, Charkiw, Dnipro und Tschernihiw schwer beschädigt. "Im Moment müssen alle Partner gemeinsam die Luftabwehr verstärken, damit die Abfangquote von Drohnen und Raketen weiter steigt", forderte der ukrainische Staatschef dringlich. Infolge der Angriffe fiel laut dem privaten Energieunternehmen DTEK bei mehr als 16.000 Ukrainerinnen und Ukrainern der Strom aus, was die humanitäre Lage weiter verschärft.
Diplomatische Bemühungen Selenskyjs in Syrien und Türkei
Während der militärischen Eskalation bemühte sich Präsident Selenskyj um die Verstärkung von Kiews internationaler Zusammenarbeit. Am Sonntag traf er sich in Damaskus mit Syriens islamistischem Übergangsstaatschef Ahmed al-Scharaa. Sie hätten unter anderem "die Umstände von Russlands Krieg gegen die Ukraine erörtert", schrieb Selenskyj im Onlinedienst X. Es bestehe großes Interesse an einem Austausch militärischer und sicherheitspolitischer Erfahrungen. Al-Scharaa, der bereits zwei Mal bei Putin in Moskau war, hat die Russen bislang nicht aufgefordert, ihre Stützpunkte in Syrien zu räumen.
Bei seinem Besuch in der Türkei sprach Selenskyj am Vortag mit Staatschef Recep Tayyip Erdogan über den Ukraine-Krieg. Besprochen wurden demnach "Friedensbemühungen" sowie "regionale und internationale Entwicklungen". Selenskyj erwähnte zudem Gespräche über gemeinsame Projekte bei der Entwicklung von Gas-Infrastruktur und die Möglichkeiten für die Entwicklung von Gasfeldern. Dieses Treffen fand nur einen Tag nach einem Telefonat Erdogans mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin statt, bei dem Putin der Ukraine vorwarf, die Gastransportinfrastruktur zwischen Russland und der Türkei angreifen zu wollen.
Eskalation der gegenseitigen Angriffe am Wochenende
Die diplomatischen Gespräche stehen im Kontrast zur militärischen Realität. Am Wochenende wurden sowohl von ukrainischer als auch von russischer Seite gegenseitige Angriffe mit Todesopfern gemeldet:
- Am Samstag starben bei russischen Angriffen auf die Region Dnipropetrowsk, Charkiw und Sumy mindestens zehn Menschen, weitere wurden verletzt.
- In Russland wurden am Samstag bei ukrainischen Angriffen auf die Grenzregion Rostow ein Mensch getötet und weitere verletzt.
- Am Sonntagmorgen seien acht Menschen in der Region Krasnodar verwundet worden.
- Bei einem ukrainischen Drohnenangriff auf den russischen Ostseehafen Primorsk wurde eine Ölpipeline getroffen.
Die russische Luftabwehr habe zudem 19 ukrainische Drohnen in der westrussischen Region Leningrad abgeschossen, meldete der dortige Gouverneur. Der Hafen Primorsk liegt strategisch zwischen der Grenze zu Finnland und der wichtigen Stadt St. Petersburg.
Strategische Verschiebungen im Kriegsverlauf
Russland hat zuletzt seine Drohnenangriffe auf die Ukraine deutlich verstärkt. Laut einer Analyse der Nachrichtenagentur AFP auf Grundlage von Zahlen der ukrainischen Luftwaffe wurde die Ukraine im März von mehr Drohnen angegriffen als in jedem anderen Monat seit Kriegsbeginn im Februar 2022. Kiew wirft Moskau vor, gezielt Wohngebiete anzugreifen und Zivilisten ins Visier zu nehmen.
Parallel dazu verschärfte die Ukraine ihre Gegenangriffe auf die russische Infrastruktur, darunter Raffinerien, Öldepots und Häfen. Kiew betrachtet diese Anlagen als legitime militärische Ziele, um die Einnahmen Russlands aus dem Ölgeschäft zur Finanzierung seiner Offensive zu reduzieren. Diese strategische Verschiebung unterstreicht die zunehmende Brutalität des Konflikts.
Kiew hatte Moskau zuvor zu einer Waffenruhe über die Osterfeiertage der orthodoxen Kirche gedrängt, die in einer Woche beginnen. Russland erklärte jedoch, es habe bislang keine "klar ausformulierten" Vorschläge der Ukraine gesehen. Die von den USA vermittelten Gespräche zwischen den Kriegsparteien sind zuletzt ins Stocken geraten, wobei Kiew Moskau anlastet, nicht ernsthaft an Frieden interessiert zu sein.



