Angela Merkel hat am Dienstagabend im Berliner Bode-Museum ihr offizielles Kanzlerinnen-Porträt enthüllt. Das Gemälde des 28-jährigen deutsch-französischen Künstlers Jérémy Queyras zeigt Merkel in einem königsblauen Blazer auf goldenem Grund mit ernstem, entschlossenem Blick und sanften Augen. Die Ausstellung läuft bis zum 4. Oktober und soll insbesondere junge Besucher anlocken.
Ein Familientreffen politischer Weggefährten
Zur Enthüllung kamen viele Freunde, Verwandte und Weggefährten der Altbundeskanzlerin. Peter Altmaier, ihr früherer Kanzleramtschef, war zunächst zur Alten Nationalgalerie gefahren, fand dort aber niemanden vor und erreichte das Bode-Museum dennoch pünktlich. Merkel hatte alle vier ihrer Kanzleramtschefs eingeladen; Altmaier und Helge Braun erschienen, Ronald Pofalla und Thomas de Maizière nicht. Anwesend waren auch Merkels politische Freundin und Ex-Ministerin Annette Schavan, ihre langjährige Büroleiterin Beate Baumann, ihre Beraterin Eva Christiansen und ihr früherer Europa-Experte Uwe Corsepius. Politische Prominenz war die Ausnahme – viele junge Gesichter und private Freunde Merkels füllten den Raum.
Ein ungewöhnliches Format: Kniestück en face
Marion Ackermann, Präsidentin der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, bezeichnete das Porträt als „kunsthistorisch ein Kniestück en face“ – ein Herrscherporträt in einer demokratischen Gesellschaft, das den Betrachter auf Augenhöhe anspricht. Merkel sei es wichtig gewesen, zugänglich zu wirken. Das Porträt solle nicht nur im Kanzleramt oder am Tag der offenen Tür zu sehen sein. Während der Ausstellungszeit plane die Altkanzlerin, mit Schülergruppen über ihr Porträt ins Gespräch zu kommen. „Das tut dem Bode-Museum sicher gut“, mehr junge Besucher, habe Merkel gesagt.
Merkel folgt Kohl: Eigenfinanziertes Staatsporträt
Merkel betonte, Helmut Kohl habe sie dazu inspiriert, ihr Bild erst im Museum auszustellen, bevor es in die „Ahnengalerie“ ins Kanzleramt wandert. Wie ihr Vor-Vorgänger bestellte und bezahlte Merkel ihr Porträt selbst – es ist ein „Staatsporträt“, aber kein Staatseigentum. Im Kanzleramt wird das Gemälde nur als Leihgabe hängen; Merkel kann es jederzeit zurückfordern, wenn ihr die Hängung oder der Amtsinhaber nicht mehr passen.
Der Underdog als Maler: Jérémy Queyras
Der Künstler Jérémy Queyras war bei seiner Bewerbung erst 22 Jahre alt. Merkel lobte ihn als „Wanderer zwischen den Welten“, der abstrakte und realistische Malerei beherrsche. Queyras dankte Merkel als „Staatsbürger“ für ihren Einsatz für die deutsch-französische Freundschaft und das vereinte Europa. Sein Großvater war mit 93 Jahren aus Frankreich angereist, um der Enthüllung beizuwohnen. Queyras‘ Bewerbung war handschriftlich verfasst und landete aus dem Posteingang in die engere Auswahl, die eigentlich von Kunstexperten getroffen wurde.
„Spuren der Macht“: Reaktionen und Ausblick
Nach der Enthüllung klatschten und jubelten die Gäste. Später kehrten viele vom Empfang zurück, um sich das Porträt in Ruhe anzusehen. Die Fotografin Herlinde Koelbl hatte bereits an der jüngeren Merkel „Spuren der Macht“ gezeigt – nun sind sie auch im Gemälde sichtbar. Merkel selbst sagte, sie habe „Freude an einem solchen Vorgang haben“ wollen. Das Porträt ersetzt vorübergehend ein anderes Gemälde im Museum – „aber es wird ja wieder aufgehängt“, so Merkel. Die Gemälde wechseln sich ab, wie die Politiker in der Demokratie.



