Martensteins scharfsinnige Betrachtung des iranisch-amerikanischen Abkommens
Harald Martenstein, der erfahrene Kolumnist der BILD, widmet sich in seiner täglichen Kolumne einem aktuellen außenpolitischen Thema von großer Brisanz. Der 72-jährige Journalist analysiert mit gewohnt trockenem Humor und präziser Beobachtungsgabe das jüngste Waffenstillstandsabkommen zwischen dem Iran und den Vereinigten Staaten von Amerika.
Historische Perspektive auf amerikanische Militäreinsätze
Martenstein blickt zunächst auf die militärische Bilanz der USA zurück und stellt fest: „Wann haben die Amis eigentlich das letzte Mal so richtig gesiegt? Das muss 1945 gewesen sein, gegen Japan und uns.“ Der Kolumnist erinnert an eine Reihe von weniger erfolgreichen Unternehmungen, darunter die Schweinebucht-Invasion, den Vietnamkrieg und den Afghanistan-Einsatz. Seine ironische Anregung, doch einmal Monte-Carlo zu erobern, unterstreicht die kritische Haltung gegenüber amerikanischer Interventionspolitik.
Die Besonderheiten des iranisch-amerikanischen Abkommens
Das aktuelle Waffenstillstandsabkommen enthält laut Martenstein mehrere bemerkenswerte Bestimmungen. Der Iran erhält Entschädigungszahlungen von den USA und darf gemeinsam mit dem Oman die strategisch wichtige Straße von Hormus kontrollieren. Öltanker müssen Gebühren entrichten, und die Urananreicherung darf fortgesetzt werden.
Die eigentliche Pointe des Abkommens liegt jedoch in der Sprachfassung: „In der englischen Version des Vertrags steht, dass ihr nicht mehr an einer Atombombe basteln dürft. In der persischen Version aber stand kein Wort davon.“ Martenstein zeigt sich fast respektvoll angesichts dieses alten und dreisten Tricks, der darauf basiert, dass kaum jemand in der US-Regierung Farsi versteht.
Die Frage nach dem amerikanischen Gewinn
Abschließend stellt der Kolumnist die entscheidende Frage: „Was aber haben eigentlich die USA gewonnen, falls alles am Ende fast genauso bleibt, wie es vorher war?“ Seine Antwort fällt knapp und prägnant aus: „eine wertvolle Erfahrung“. Damit pointiert er die Diskrepanz zwischen militärischem Aufwand und politischem Ertrag, die viele amerikanische Interventionen kennzeichnet.
Martensteins Kolumne verbindet politische Analyse mit literarischer Eleganz und hinterfragt grundlegende außenpolitische Annahmen. Seine Betrachtung des iranisch-amerikanischen Abkommens offenbart die komplexen Machtverhältnisse und diplomatischen Manöver im internationalen Kontext.



