Tel Aviv. Ein erneuter Militärschlag Israels gegen den Iran wirft Fragen zur Koordination zwischen Israel und den USA auf. Seit Sonntagnacht hatte der Iran mindestens 30 ballistische Raketen auf Israel abgefeuert. Die israelische Luftabwehr habe alle Geschosse abgefangen, teilte die Armee mit. Es gab keine Toten oder Verletzten, nur einige Wohnhäuser wurden durch Trümmer beschädigt. Die Schulen blieben am Montag landesweit geschlossen.
Israels Vergeltungsschlag
Israel reagierte umgehend mit Gegenangriffen. Nach Militärangaben traf die Armee am Montag eine petrochemische Anlage in Mahschahr im Südwesten Irans sowie Luftabwehr- und weitere Infrastrukturanlagen. Auch im Südlibanon setzte Israel seine Angriffe fort. Eine Militärsprecherin kündigte an: „Wir werden weiterhin die militärische Infrastruktur und die Fähigkeiten der Hisbollah ins Visier nehmen, um die Bevölkerung Israels zu schützen.“
Trumps Warnung ignoriert
Israels Gegenschlag erfolgte, obwohl US-Präsident Donald Trump davor gewarnt hatte. „Ich habe das Sagen“, sagte Trump der „Financial Times“. Er bezog sich auf Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, der „keine andere Wahl haben“ werde, als einem Abkommen mit Iran zuzustimmen. Netanjahu meldete sich erst am Montagabend mit einer Videobotschaft. „Das Feuer an dieser Front ist eingestellt“, sagte er, drohte aber mit „aller Härte“ bei einem erneuten Angriff.
Hintergründe der Eskalation
Der Iran begründete seine Angriffe mit den Kämpfen gegen die Hisbollah im Libanon. Israel hatte am Sonntag Ziele in Dahieh, einer Hochburg der Miliz, angegriffen. Dabei wurden zwei Menschen getötet und elf verletzt. Die iranischen Revolutionsgarden bezeichneten den Angriff als „Warnung“ und drohten mit einer „umfassenden Reaktion“. Trump zeigte sich „unzufrieden“ über den Angriff, da er nicht mit ihm abgestimmt war. Sein Ton gegenüber Netanjahu hatte sich zuletzt verschärft.
Innenpolitischer Druck auf Netanjahu
Netanjahu steht innenpolitisch unter Druck. Am 27. Oktober wird in Israel ein neues Parlament gewählt, und Umfragen zufolge droht seine Koalition die Mehrheit zu verlieren. Ein zentrales Wahlkampfthema ist die Sicherheitslage im Norden. Die Hisbollah hat ihre Angriffe intensiviert und setzt vermehrt FPV-Drohnen ein, die die israelische Luftabwehr überlasten. Die israelische Verteidigung findet keine nachhaltige Antwort auf die Bedrohung.
Strategische Differenzen mit den USA
Die Spannungen zwischen Israel und den USA wachsen. Die „New York Times“ berichtete über mutmaßliche israelische Spionageversuche gegen die USA, um Details der Friedensverhandlungen zu erfahren. Der Iran könnte versuchen, durch Provokationen israelische Gegenangriffe auszulösen und so den Druck auf die USA zu erhöhen. Streitpunkte sind unter anderem die Freigabe eingefrorener iranischer Vermögenswerte und die Kontrolle über die Straße von Hormus.



