Das deutsch-französische Prestigeprojekt Future Combat Air System (FCAS) ist endgültig gescheitert. Fast ein Jahr lang zog sich das Siechtum des Großprojekts hin, nachdem Airbus und Dassault Aviation sich gegenseitig mangelnde Kooperationsbereitschaft und Inkompetenz vorwarfen. Trotz intensiver Vermittlungsversuche von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron konnte keine Einigung erzielt werden. Am Montag fiel die endgültige Entscheidung: Die Unternehmen kommen beim Bau eines gemeinsamen Kampfflugzeugs nicht zusammen, wie es aus Regierungskreisen hieß.
Reaktionen aus der Politik
Die Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten. Der Grünen-Haushaltspolitiker Sebastian Schäfer bezeichnete das Aus als „Symbol des europäischen Scheiterns bei der gemeinsamen Beschaffung“. Angesichts der russischen Bedrohung und der Unzuverlässigkeit der US-Regierung sei es unverantwortlich, dass die Bundesregierung das Scheitern nicht verhindern konnte. Auch Anton Hofreiter (Grüne), Vorsitzender des Europaausschusses, sprach von einem „nächsten schweren außenpolitischen Rückschlag“. Die stellvertretende SPD-Fraktionschefin Siemtje Möller nannte das Aus hingegen „folgerichtig“, da Dassault nicht zu einer fairen Verteilung von Kapazitäten bereit gewesen sei.
FCAS als System ohne Einheits-Jet
Allerdings ist FCAS mehr als nur das Kampfflugzeug. Das System umfasst auch Drohnen, Sensoren, Munition und eine „Combat Cloud“. Aus dem Kanzleramt hieß es, dieser „eigentliche Kern von FCAS soll als europäisches System der Systeme fortgeführt werden“. Bis zum deutsch-französischen Ministerrat sollen beide Verteidigungsministerien einen gemeinsamen Arbeitsplan zur verteidigungsindustriellen Zusammenarbeit formulieren, konzentriert auf wenige realistische Vorhaben.
Suche nach Alternativen
Das Scheitern des Kampfjets wirft Fragen nach Alternativen auf. Der verteidigungspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Thomas Erndl (CSU), betont, dass die deutsche Industrie ihre Leistungsfähigkeit unter Beweis stellen könne. Der Grüne Schäfer warnt jedoch vor teuren nationalen Lösungen. Die Sozialdemokratin Möller fordert, zügig geeignete Partner zu finden. Deutschland könnte sich dem Global Combat Air Programme (GCAP) anschließen, das Großbritannien, Japan und Italien vorantreiben. Auch Schweden zeigt Interesse. Alternativ könnte Lockheed Martin mit der F-35 oder Nachfolgemodellen an die Bundesregierung herantreten.
Die Frage bleibt, ob die uneinigen Europäer angesichts strategischer Unabhängigkeitsüberlegungen nicht doch lieber US-Jets kaufen wollen. Die Debatte um die Zukunft der europäischen Luftkampffähigkeit ist damit neu entfacht.



