Deutschland bewirbt sich erneut für den UN-Sicherheitsrat
Bundeskanzler Friedrich Merz hat angekündigt, dass Deutschland sich nach der gescheiterten Kandidatur für den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen für die Periode 2035/36 erneut um einen Sitz im mächtigsten Uno-Gremium bewerben wird. Mit der frühen Bewerbung sind offenbar zwei Ziele verbunden: ein kommunikatives und ein taktisches. Zum einen soll der Anspruch Deutschlands deutlich werden, international eine aktive Rolle zu spielen. Zum anderen soll niemand später sagen können, er habe vom deutschen Wunsch nichts gewusst. Die Ankündigung passt zur verstolperten Kommunikation von Außenminister Wadephul, der nach der Niederlage in den sozialen Medien ein Video mit Rocky-Balboa-Zitaten posten ließ: „It ain’t about how hard you hit. It’s about how hard you can get hit and keep moving forward.“ Angebrachter und hübscher wäre das Lebensmotto von Dieter Hallervorden gewesen: „Immer einmal mehr aufstehen als hinfallen.“ Mein Kollege Roland Nelles findet, es liege nahe, die Schuld für die Schmach bei der Bundesregierung zu suchen. „Doch so einfach ist es nicht.“ Hier sein Kommentar: Die Uno ist das Problem, nicht Deutschland.
Boeing-Panne am Frankfurter Flughafen
In Frankfurt haben sie den kaputten Boeing-Dreamliner 787-9 abgeschleppt und auf das sogenannte Technikgelände gebracht, wo sich Experten der – herrliches deutsches Wort! – Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung die Maschine vornehmen. Wobei es genau genommen kein Flugunfall war, was sich am Donnerstag auf dem größten deutschen Airport ereignete. Kein Absturz, keine Bauchlandung, eher ein „Knicks“, wie es ein Kollege nannte: Während Lufthansa- und Flughafen-Mitarbeiter die Maschine für den Flug LH450 nach Los Angeles vorbereiteten, klappte sich um 12.45 Uhr unerwartet das Bugfahrwerk ein. Fünf Mitarbeitende wurden verletzt, hieß es. Die Passagiere, die am Gate A15 in Terminal 1 warteten, konnten also sehen, wie die Boeing boing machte. Einigen wir uns auf das Wort Vorfall. Einen ähnlichen gab es in London im Jahr 2021, wie meine Kollegen Henrik Bahlmann und Marco Evers berichten. „Die Ursache damals: Das Bodenwartungsteam sollte die Funktion des Fahrwerks kontrollieren“, schreiben die Kollegen. „Dafür musste ein Techniker einen Sicherungsbolzen am Bugfahrwerk anbringen, um zu verhindern, dass es während der Arbeiten einfahren könnte.“ Der Techniker habe diesen Bolzen allerdings nicht in die dafür vorgesehene Öffnung gesteckt, sondern in eine andere von gleicher Größe. Dummerweise liegt sie nur Zentimeter von der richtigen Bohrung entfernt. Kein Wunder, dass manche Vielflieger gern witzeln: „If it’s Boeing, I’m not going.“ Lesen Sie hier mehr: Wie kam es zu der abrupten Knick-Panne der Lufthansa-Maschine?
Kinski vs. Wenders: Debatte um Nacktszene
Die Schauspielerin Nastassja Kinski hat auf die Debatte über eine Nacktszene in dem Film „Falsche Bewegung“ von Wim Wenders reagiert. Es sei nicht leicht, aber seit Langem fällig gewesen, diesen Moment anzusprechen, schrieb Kinski in einem Instagram-Post. Was bisher geschah: Die Schauspielerin war mit 13 Jahren in einer Szene des Films von 1975 mit nacktem Oberkörper zu sehen. Im Vorfeld des Deutschen Filmpreises am vergangenen Freitag, wo Wenders für sein Lebenswerk geehrt wurde, hatte Kinski in der „Süddeutschen Zeitung“ ihre Forderung erneuert, er solle die Szene aus dem Film herausschneiden. Der Regisseur kündigte Tage nach der Preisverleihung an, den Film vorerst zurückzuziehen. Er solle bis auf weiteres weder bei Streamingdiensten, noch im Fernsehen oder sonstwo gezeigt werden. Er bat Kinski auch um Entschuldigung. In ihrem Post nahm Kinski keinen Bezug auf die Entscheidung des Filmemachers. Ihr Anwalt hatte Wenders’ Mitteilung begrüßt, sie aber auch als „längst überfällig“ bezeichnet. Meine Kollegin Ulrike Knöfel aus unserem Kulturressort findet: „Wir müssen die Kunstfreiheit sehr ernst nehmen. Dazu gehört, dass Kunstwerke nicht mal eben gecancelt werden sollten, auch nicht nach Jahrzehnten.“ Aber dieser Fall betreffe auch den Schutz von Jugendlichen. „Hier geht es um die hoch sexualisierte Darstellung der damals erst 13 Jahre alten, weitgehend nackten Nastassja Kinski.“ Dass sie verlange, die Szene zu löschen, sei auf jeden Fall verständlich. Vielleicht wolle Kinski auch ein größeres gesellschaftliches Zeichen setzen, „denn die grundsätzlichen Fragen gehen ja über sie und Wenders hinaus, und auch das ist ernst zu nehmen“. Mehr Hintergründe hier: Die Mädchen von einst leiden noch immer.
Weitere wichtige Nachrichten des Tages
- Europäer planen Treffen mit Selenskyj nach Verhandlungsangebot an Putin: Selenskyj hat Putin direkte Gespräche angeboten. Darüber wollen die Europäer zeitnah mit dem ukrainischen Präsidenten sprechen. Die Bundesregierung unterstützt dessen Vorstoß.
- ISS-Astronauten ziehen sich in Raumkapsel zurück – Luftleck im russischen Segment: Wegen eines Luftlecks im russischen Segment der Internationalen Raumstation hat die Nasa die Crew angewiesen, sich in ihre Raumkapseln zurückzuziehen. Möglicherweise muss bald evakuiert werden.
- ICE will Todesfälle von kürzlich freigelassenen Menschen offenbar nicht mehr melden: Bereits 18 Menschen sind in diesem Jahr in ICE-Gewahrsam gestorben. Jetzt will die Behörde einem Bericht der „Washington Post“ zufolge eine etablierte Praxis aus Biden-Zeiten einstellen.
Meine Lieblingsgeschichte heute: Dieser Mann überholt die AfD – von rechts
Wer noch immer auf eine Mäßigung der AfD hofft, sollte auf diese Wahl schauen, finden meine Kollegin Carlotta Böttcher und mein Kollege Peter Maxwill: In der sächsischen Stadt Aue-Bad Schlema könnte am Sonntag der Neonazi und IT-Berater Stefan Hartung zum Oberbürgermeister gewählt werden. Er ist Mitglied der „Freien Sachsen“, die AfD überlässt ihm das Feld. Lesen Sie hier die ganze Geschichte: Freundliche Männer mit radikalen Ansichten.
Was heute weniger wichtig ist
Lady Saga: Madonna, 67, hat am New Yorker Times Square ein 15-minütiges Überraschungskonzert gegeben. Im pinkfarbenen Korsett, silbernen Stiefeln und mit blauer Brille spielte sie unter anderem Hits wie „Hung Up“ und „I Love New York“.
Mini-Hohlspiegel
Von der Speisekarte im Schaufenster eines Restaurants in Hannover. Hier finden Sie den ganzen Hohlspiegel.
Cartoon des Tages
Thomas Plaßmann: Entdecken Sie hier noch mehr Cartoons.
Und am Wochenende?
Könnten Sie ins Kino gehen und sich, falls Sie in den Achtzigerjahren aufgewachsen sind, in Ihre Kindheit zurückversetzen lassen. Gerade ist der neue „Masters of the Universe“-Film angelaufen, in dem He-Man sein Zauberschwert wiederfindet, nach Eternia zurückkehrt, seine Mannen Fisto, Ram Man und Mekaneck um sich scharrt, um den Planeten vom Joch seines Erzfeindes Skeletor zu befreien. Wenn Sie kaum ein Wort des letzten Satzes verstanden haben, sollten Sie allerdings dringend etwas anderes machen. Mein Kollege Lars-Olav Beier findet den Film „vergnüglich, aber nicht allzu tiefgründig“. Man tut ihm „keinen Gefallen, wenn man ihm zu viel Bedeutung zumisst“. (Hier mehr dazu.) Ich wünsche Ihnen ein entspanntes Wochenende. Nehmen Sie es, gnihi, nicht zu Schwert. Herzlich, Ihr Oliver Trenkamp, Blattmacher in der Chefredaktion.



