George W. Bush, der 43. Präsident der Vereinigten Staaten, feiert an diesem Montag seinen 80. Geburtstag. In den USA ist es ein Sommer der 80-Jährigen: Donald Trump hatte bereits seinen runden Geburtstag mit Käfigkämpfen vor dem Weißen Haus begangen, und im August wird Bill Clinton 80. Bushs Präsidentschaft von 2001 bis 2009 war stark umstritten, vor allem wegen des Irak-Kriegs. Doch im Lichte von Trumps erratischem Regierungsstil könnte sich die Bewertung von Bushs Ära wandeln.
Bushs tiefe Zustimmungskrise und der Irak-Krieg
Vor dem Ende seiner zweiten Amtszeit waren Bushs Zustimmungsraten im Keller. Die Finanzkrise 2008, ausgelöst durch die Immobilienblase und unzureichende Regulierung der Finanzmärkte, hatte ihm stark zugesetzt. Vor allem seine Kriege machten Bush zur Zielscheibe scharfer Kritik. Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 hatte er sich dem globalen „Krieg gegen den Terror“ verschrieben und den Begriff der „Achse des Bösen“ geprägt, womit er den Iran, den Irak und Nordkorea brandmarkte. Bush ließ das Gefängnis Guantánamo errichten, dessen Haftbedingungen und Foltermethoden international für Empörung sorgten.
Die Invasion im Irak ab März 2003 begründete die Bush-Regierung mit angeblichen Massenvernichtungswaffen, die nie gefunden wurden. Bilder gefolterter Häftlinge im irakischen Gefängnis Abu Ghoreib gingen um die Welt. In Afghanistan führte Bush ab Oktober 2001 Krieg. Kritiker warfen ihm eine fehlende Ausstiegsstrategie und mangelnde Stabilisierung des Landes vor. Zudem zeigte Bush keine grundsätzliche Reue über den Irak-Krieg.
Trump kritisiert Bushs Kriege – doch selbst mit Iran-Konflikt
Auch die Trump-Regierung kritisierte Bushs Vorgehen, obwohl sie selbst Ende Februar militärische Angriffe gegen den Iran anordnete. Trump ließ im Weißen Haus eine neue Präsidentengalerie anbringen. Unter Bushs Konterfei heißt es, die Kriege gegen den Irak und Afghanistan „hätten nicht stattfinden dürfen“. Dennoch gibt es positive Aspekte von Bushs Amtszeit.
Positive Erinnerung: Bushs Führung nach 9/11
Einer seiner größten Momente war Bushs Präsenz nach dem Terroranschlag auf das World Trade Center am 11. September 2001. „Dubya“ – sein Spitzname – stand mit einem Megafon auf den Trümmern der Zwillingstürme in New York und sprach Rettungskräften Mut zu. Sein Bestreben, die Nation wieder aufzubauen, brachte ihm über Parteigrenzen hinweg Respekt ein. Der Wissenschaftler Gary L. Gregg II vom Miller Center der University of Virginia fasste zusammen: Bushs Führung in der Krise – einschließlich seiner Entscheidung, noch in der Nacht der Anschläge ins Weiße Haus zurückzukehren – habe der Bevölkerung das Vertrauen gegeben, dass jemand die Kontrolle hatte. In der Folge war Bush zeitweise der populärste US-Präsident in der Geschichte der Meinungsumfragen.
Bush, ein Republikaner und ehemaliger Gouverneur von Texas, zog mit 54 Jahren ins Weiße Haus ein, nachdem er sich in einer chaotischen Wahl mit Nachzählungen gegen Al Gore durchgesetzt hatte. 2004 gewann er gegen John Kerry. Sein Vater George H.W. Bush war der 41. Präsident.
Historiker: Bush als letzter Vertreter des klassischen republikanischen Establishments
Der Historiker Christof Mauch sieht Trumps Regierungsstil als Grund, warum Bush in einem neuen Licht wahrgenommen wird. „Bush steht heute für den letzten Vertreter eines klassischen republikanischen Establishments, das ideologisch konservativ war, seine Konflikte aber – vor der populistischen Transformation – noch innerhalb der institutionellen Ordnung austrug.“ Trump dagegen stellt regelmäßig Richter, Medien und Institutionen infrage und zweifelt die Wahl Joe Bidens an. Allerdings führe Trump nicht dazu, dass Bush mit Blick auf den Irak-Krieg „rehabilitiert“ werde, so Mauch.
Mauch betont, Bush sei ein Präsident einer politischen Epoche gewesen, in der politische Gegner als Gegner und nicht als „Feinde“ des Systems galten. Trump habe diese Grenze verwischt und einen Prozess der demokratischen Erosion vorangetrieben. Bush, der Trump öffentlich nicht unterstützte, pflegt gute Beziehungen zu Demokraten wie Barack Obama, der auf ihn folgte. Erst kürzlich war Bush mit seiner Frau Laura bei der Eröffnung eines Zentrums in Chicago, das Obamas Wirken würdigt.



