Bulgariens Richtungswahl: Ex-Präsident Radew als Favorit - Russland-Kurs im Fokus
Bulgarien wählt: Radew als Favorit - Russland-Kurs im Fokus

Bulgarien vor entscheidender Parlamentswahl: Ex-Präsident Radew als klarer Favorit

In Bulgarien steht eine wegweisende Parlamentswahl an, die achte seit dem turbulenten April 2021. Als aussichtsreichster Kandidat gilt der ehemalige Staatspräsident Rumen Radew, der das Bündnis Progressives Bulgarien anführt und dem EU- und Nato-Mitglied eine stabile Regierung sowie einen entschlossenen Kampf gegen die Korruption verspricht.

Russlandfreundliche Vergangenheit wirft Fragen auf

Radews bisherige Positionierung als Präsident, in der er sich als russlandfreundlich zeigte und den Dialog mit Moskau suchte, lässt jedoch bedeutende Fragen offen. Besonders relevant ist, wie sich ein möglicher Regierungschef Radew innerhalb der Europäischen Union zur Unterstützung der Ukraine positionieren würde. Seine Allianz lässt sich im aktuellen Parteienspektrum noch nicht eindeutig verorten, was zusätzliche Unsicherheit schafft.

Der Ex-General und frühere Kampfjetpilot hatte im Januar sein Amt als Staatspräsident niedergelegt, um an der Wahl teilnehmen zu können. Potenzielle Wähler seiner Bewegung sind laut Analysen der Konrad-Adenauer-Stiftung im linken, nationalistischen und prorussischen Spektrum zu finden. Im Wahlkampf vermied Radew klare Stellungnahmen zu Russland und betonte stattdessen die Wahrung nationaler Interessen innerhalb von Nato und EU.

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Vorbild Ungarn: Radews außenpolitische Pläne

In Bezug auf die von Russland angegriffene Ukraine orientiert sich Radew am ungarischen Wahlsieger Peter Magyar. In einem Fernsehinterview erklärte er, Bulgarien werde sich unter seiner möglichen Führung nicht finanziell an Militärhilfen für die Ukraine beteiligen, würde jedoch Entscheidungen auf EU-Ebene nicht blockieren. Dies steht im Kontrast zur deutlich proukrainischen Ausrichtung der im Dezember 2025 zurückgetretenen Regierung, deren Kurs die aktuelle Interimsregierung fortsetzte.

Russische Medien bezeichnen Radew bereits als „bulgarischen Orban“ und prophezeien, dass Sofia bei einem Sieg seiner Partei für Brüssel ähnlich „unbequem“ werden könnte wie Budapest. Trotz dieser Einschätzungen wurden aus Brüssel bisher keine größeren Besorgnisse bezüglich des Wahlausgangs öffentlich geäußert.

Wahlkampf überschattet von Stimmenkauf-Vorwürfen

Der Wahlkampf wurde, wie bereits bei früheren Abstimmungen, von schwerwiegenden Vorwürfen des Stimmenkaufs überschattet. Hunderte verdächtige Personen wurden festgenommen, und Behörden beschlagnahmten Geldsummen im Gesamtwert von einer Million Euro, die mutmaßlich für den Kauf von Wählerstimmen bestimmt waren. Der Preis für eine Stimme soll zwischen 50 und 100 Euro gelegen haben.

Wegen Verdachts der Wahlbeeinflussung aktivierte die bulgarische Interimsregierung das EU-System zur Bekämpfung von Desinformation und ausländischer Einflussnahme. Vor Ort sind zudem Beobachter der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) im Einsatz, um den Prozess zu überwachen.

Hohe Wahlbeteiligung und Ausblick auf Ergebnisse

Die jüngste Wahl in Ungarn mit ihrer massiven Beteiligung scheint viele Wahlberechtigte in Bulgarien motiviert zu haben. Die Beteiligung lag am Vormittag nach Angaben der Zentralen Wahlkommission bei etwas über 12 Prozent – ein für bulgarische Verhältnisse bemerkenswert hoher Wert.

Zuverlässige amtliche Hochrechnungen werden für Montagmorgen erwartet, erste Trends könnten bereits am Abend auf Basis von Wählerbefragungen nach der Stimmabgabe vorliegen. Offizielle Endergebnisse sollen binnen vier Tagen nach der Wahl verfügbar sein. Rund 6,5 Millionen Bulgarinnen und Bulgaren waren zur Stimmabgabe aufgerufen, nachdem Massenproteste gegen Korruption und der Rücktritt der prowestlichen Koalitionsregierung im Dezember 2025 diese Neuwahl notwendig gemacht hatten.

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