Interner Machtkampf bei der AfD eskaliert
In der AfD-Bundestagsfraktion ist ein schwerwiegender Konflikt ausgebrochen, der die innerparteilichen Spannungen offenlegt. Der AfD-Politiker Matthias Moosdorf (60) hat in einem brisanten Brandbrief an die Fraktionsmitglieder den aktuellen Außenpolitiksprecher Markus Frohnmaier (35) frontal attackiert und mit schwerwiegenden Vorwürfen konfrontiert.
Fundamentale Kritik an Fraktionsführung
In dem Schreiben, das am heutigen Sonntag verfasst wurde und der Redaktion vorliegt, übt Moosdorf zunächst grundsätzliche Kritik an den Zuständen innerhalb der Fraktion. Er bemängelt, dass wichtige politische Themen „zielgerichtet ausgespart oder gar unmöglich gemacht“ würden. Besonders befremdlich sei, dass in der aktuellen „geopolitischen Ausnahmesituation“ keine Debatten über entscheidende Weichenstellungen zugelassen würden.
Fachliche Abrechnung mit dem Amtsinhaber
Im Kern des Brandbriefs steht jedoch die fachliche Abrechnung mit dem aktuellen Außenpolitiksprecher Frohnmaier. Moosdorf, der diesen Posten selbst bis 2025 innehatte, bevor er abgesetzt wurde, wirft seinem Nachfolger gravierende Mängel vor:
- „späte und oft falsche Bewertungen“ in der außenpolitischen Arbeit
- „zunehmend fragwürdige“ Positionierung in internationalen Fragen
- Mangel an „analytischer Präzision, diplomatischem Gespür“ und „historischem Bewusstsein“
Konkreter Vorwurf: Zynische Äußerungen zum Iran-Krieg
Besonders scharf kritisiert Moosdorf eine öffentliche Äußerung Frohnmaiers zu „präzisen chirurgischen Einsätzen“ der USA und Israel im Iran-Konflikt. Diese Formulierung sei „zynisch und unangemessen“ gewesen – ausgerechnet an jenem Tag, an dem eine Mädchenschule im Iran getroffen wurde. Laut Moosdorf offenbare dies „ein erhebliches Maß an politischer Unsensibilität“ und eine „bedenkliche Entkopplung von Realität und Sprache“.
Moosdorf betont in seinem Schreiben: „Es geht hier aber nicht um einzelne missglückte Formulierungen, sondern um ein wiederkehrendes Muster mangelnder Urteilskraft in sensiblen Fragen internationaler Politik.“ Sein Fazit fällt deutlich aus: Die Besetzung im außenpolitischen Arbeitskreis müsse „kritisch überprüft“ werden, es brauche „notwendige Konsequenzen“.
Vorbelasteter Kritiker und knappe Reaktion
Allerdings ist auch der Kritiker Moosdorf selbst nicht unumstritten. Der Politiker sorgt regelmäßig für Kontroversen und Eklats. Erst im März verbreitete er die nachweislich falsche Behauptung, dass Schutzräume in Israel „nur noch für Juden“ offenstünden. Zudem muss sich Moosdorf demnächst vor der Staatsschutzkammer des Landgerichts Berlin verantworten: Ihm wird vorgeworfen, 2023 im Bundestag den Hitlergruß gezeigt zu haben – eine Anschuldigung, die er bestreitet.
Markus Frohnmaier reagierte auf die Vorwürfe gegenüber der Presse knapp und zurückhaltend: „Wer Herrn Moosdorf kennt, kann sich seinen Teil dazu denken. Alles Weitere besprechen wir intern.“ Diese Antwort deutet darauf hin, dass der Konflikt innerhalb der Fraktion weiter schwelt und möglicherweise noch nicht beigelegt ist.
Größere Bedeutung des Fraktionsstreits
Der interne Machtkampf bei der AfD zeigt tiefgreifende Differenzen in außenpolitischen Grundsatzfragen auf. Während Moosdorf eine strengere Linie und präzisere Analysen fordert, vertritt Frohnmaier offenbar einen anderen Ansatz in der internationalen Politik. Dieser Konflikt könnte langfristige Auswirkungen auf die Positionierung der Partei in wichtigen geopolitischen Fragen haben und die ohnehin vorhandenen Spannungen innerhalb der Fraktion weiter verschärfen.



