Wissenschaftler warnen vor Folgen eines AfD-Wahlsiegs für Hochschulen
Wissenschaftler warnen vor AfD-Wahlsieg-Folgen

Wissenschaftler schlagen Alarm: AfD-Wahlsieg bedroht Hochschulen und Forschung

Führende Wissenschaftler aus Sachsen-Anhalt haben eindringlich vor den möglichen Konsequenzen eines Wahlsiegs der AfD für die Hochschullandschaft und die Forschung gewarnt. In einem Podcast des Leipziger Senders „detektor.fm“ äußerten sich die Präsidentin der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina, Bettina Rockenbach, und der Präsident des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle, Reint Gropp, besorgt über die Entwicklungen im Vorfeld der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt.

Internationale Attraktivität des Wissenschaftsstandorts gefährdet

Reint Gropp betonte, dass vor allem die internationale Anziehungskraft des Wissenschaftsstandorts in Gefahr sei. An seinem Institut arbeiten Menschen aus 14 verschiedenen Nationen. Ein Wahlsieg der AfD könnte das gesellschaftliche Klima nachhaltig verändern. „Menschen könnten sich dann ermächtigt fühlen, gegen Ausländer zu pöbeln“, warnte Gropp. Bereits jetzt berichteten internationale Mitarbeiter seines Instituts von negativen Erfahrungen mit Polizeikontrollen. Einige würden Umwege machen, wenn sie Polizisten sähen, weil sie sich bedroht fühlten.

Kritik an den Hochschulplänen der AfD

Die AfD in Sachsen-Anhalt plant in ihrem Wahlprogramm unter anderem einen Umbau der Hochschulen, die Abschaffung von Gender Studies und die Abkehr vom Bologna-System mit Bachelor- und Masterabschlüssen. Gropp bezeichnete diese Vorhaben als falschen Weg. Die international vergleichbaren Abschlüsse seien ein „Riesenfortschritt“. Ihre Abschaffung wäre „völliger Unsinn“. Der Ökonom warnte zudem vor negativen Auswirkungen auf die Gewinnung von Fachkräften. Selbst das Wahlergebnis könne bereits Folgen haben. „Wir haben sogar Schwierigkeiten, Leute aus Köln einzustellen, weil die sagen, da will ich nicht wohnen“, so Gropp.

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Appell an Wissenschaftsorganisationen

Gleichzeitig forderte Gropp von den Wissenschaftsorganisationen mehr Engagement für die Wissenschaftsfreiheit, eine Willkommenskultur und Offenheit. Einrichtungen wie die Leibniz-Gemeinschaft, die Fraunhofer-Gesellschaft oder die Max-Planck-Gesellschaft müssten sich stärker zu diesen Themen äußern.

Bedeutung der Forschung für Innovation und Wohlstand

Bettina Rockenbach unterstrich die zentrale Rolle der freien Forschung für Innovationen und die Lösung gesellschaftlicher Herausforderungen. Wachstum, Wohlstand und die Bewältigung des demografischen Wandels seien auf wissenschaftliche Erkenntnisse angewiesen. „Wir brauchen das, damit wir einfach unsere Lebensgrundlage, unser Wachstum, unsere Innovation in den nächsten Jahren kriegen“, sagte sie.

Hintergrund: AfD in Sachsen-Anhalt

Die AfD wird in Sachsen-Anhalt vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistische Bestrebung eingestuft. Vor der Landtagswahl im September lag die Partei in mehreren Umfragen vor der CDU, die derzeit eine Koalition mit SPD und FDP anführt. Die AfD strebt nach eigenen Angaben eine Regierungsübernahme an.

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